Stendal. "Die Straffälligenhilfe hat es so in der DDR nie gegeben, man hat hier in Stendal etwas völlig Neues geschaffen", brachte Delia Göttke, Geschäftsführerin des Landesverbandes für Straffälligen- und Bewährungshilfe, den Verdienst des Stendaler Vereins auf den Punkt.

Seit 20 Jahren gibt es ihn - den Verein für Straffälligenbetreuung und Bewährungshilfe. Angefangen haben sie ganz klein: mit einem Zimmer, fünf zu betreuenden Jugendlichen und fünf ABM-Kräften. "Schwache und ausgegrenzte Menschen lagen mir schon immer am Herzen", erzählte Barbara Rudolph, die als Ansprechpartnerin für Gefangene in dieses Projekt einstieg und den Verein 1991 schließlich mitbegründete. Dass sie einmal Vorstandsvorsitzende des Vereins sein würde, hätte sie nicht gedacht.

Mittlerweile sind sie größer geworden. Seit 1997 gibt einen neuen Vorstandsvorsitzenden, Martin Hein. Es hat Höhen und Tiefen gegeben, aber die arbeitsreichen Jahre haben sich gelohnt.

In der Beratungsstelle können sich Straffällige und ihre Angehörigen Hilfe holen, um nach der Haft wieder Fuß zu fassen. Ein Dach über dem Kopf, finanzielle Zuwendungen oder Ämterwege sind alltägliche Hürden, die gerade nach der Haft unüberwindbare Barrieren darstellen.

Vieles hat der Verein in der Prävention auf die Beine gestellt. Sportangebote, Ferienfreizeiten und Anti-Agressions-Trainingskurse. "Denn wir müssen an die Ursachen ran und dürfen nicht nur die Folgen bekämpfen", bekräftigte Justizministerin Angela Kolb gestern die Arbeit des Vereins im Bereich Haftvermeidung. Mit den Worten "Die Stadt steht hinter Ihnen" warf Oberbürgermeister Klaus Schmotz einen rot-weißen Ball in die Hände von Hein und bedankte sich für das Präventivprojekt "Sport statt Straße".