Wie viel Grünpflege kann und muss sich die Stadt noch leisten? Diese Frage stand am Dienstag im Mittelpunkt der Beratungen des Bauausschusses. Einerseits gibt es immer wieder Kritik an vollen Papierkörben am Wochenende, andererseits steht die Verwaltung davor, ihr Personalabbau-Konzept in die Tat umzusetzen.

Tangermünde. "Ich habe Bedenken, dass das Ansehen unser Stadt leidet", fasst Regine Schönberg (SPD) am Dienstagabend während der Bauausschusssitzung ihre Befürchtungen in Worte. Leiden deshalb, weil vor allem an den Wochenenden an den schönsten Ecken der Stadt oft Unordnung herrscht, Flaschen, Pizzakartons und andere Hinterlassenschaften durchzechter Nächte herumliegen. Und gerade dort halten sich auch die meisten Touristen auf.

Thomas Staudt (CDU) teilt ihre Meinung: "Der gute Leumund unserer Stadt kann damit schnell kaputtgemacht werden." Und das wieder ins Gegenteil zu kippen, sei schwer.

Doch wie soll das realisiert werden? Diese Frage wurde im Ausschuss ausgiebig diskutiert. Fakt ist: Der Bauhof der Stadt hat acht Mitarbeiter. Sie sind für den gesamten Bereich Tangermünde und auch für die Ortsteile verantwortlich. Nicht nur Grünpflege, auch viele andere Aufgaben müssen von ihnen in die Tat umgesetzt werden. Ein-Euro-Kräfte, wie es sie in der Vergangenheit gegeben hatte, stehen nicht mehr zur Verfügung. Es würde Aushilfen geben. Doch deren Arbeitsbereiche seien sehr begrenzt. Die einen dürften wirklich nur Papier einsammeln, die anderen Steine sortieren. Sie für die Grünpflege einzusetzen, sei nicht gestattet. Mit diesen Bedingungen konfrontierte Hauptamtsleiter Jürgen Pyrdok die Ausschussmitglieder. Bauhofleiter Bodo Hensche fügte hinzu: "Wir haben allein im Stadtgebiet 150 Papierkörbe. Die werden dreimal die Woche geleert. Dafür sind zwei Mann einen ganzen Tag im Einsatz."

Hinweise von Regine Schönberg, dass derzeit der Rasen auf der Burg an einigen Stellen nicht mehr schön aussehe, dass großflächig gemäht, aber die kleinen Ecken dabei außer Acht gelassen würden, hörten sich Hensche und Pyrdok an.

"Es stellt sich doch die Frage: Muss es immer aussehen wie geleckt?"Mit dem Personalbestand könne mehr nicht erreicht werden, vielleicht dann, wenn Prioritäten gesetzt würden, bestimmte Areale der Stadt intensiv, andere dafür weniger oft Grünpflege erfahren würden. In Anbetracht des beschlossenen Personalabbaukonzeptes könne niemand zusätzlich eingestellt, könnten Arbeitsstunden nicht erhöht werden. "Dabei geht eben auch ein Stück Qualität verloren", so Pyrdok.

"Jeder kann Patenschaft für eine Fläche übernehmen"

Nach etlichen Vorschlägen hatte Sabine Augustin, Ortsbürgermeisterin von Storkau, eine Idee, die künftig weiter diskutiert werden soll. Sie sprach von einem Aufruf an die Tangermünder. "Jeder kann eine Patenschaft für eine Fläche übernehmen", sagte sie. Das Wort Subbotnik, gemeint sind damit die Arbeitseinsätze zu DDR-Zeiten mit vielen mehr oder weniger Freiwilligen, fiel in dieser Runde. Es sei keine Schande, dass sich die Bürger einer Stadt mehr für das Gemeinwohl einsetzen. Vielleicht gebe es ja den einen oder anderen aktiven Senior, der gern ein bestimmtes Stück Grün im Herzen der Stadt pflegen würde.

Thomas Staudt forderte zum Schluss dieser Diskussion noch einmal ein schnelles Handeln im Bezug auf die Ordnung am Wochenende an Hafen und Burg. Klaus-Werner Linke, Ortsbürgermeister aus Miltern, sagte dazu: "Viele Menschen müssen am Wochenende arbeiten. Da muss es doch wohl möglich sein, auch im öffentlichen Bereich jemanden am Wochenende in die Spur zu schicken."