Der Stendaler Anglerverein macht sich Sorgen um den Schwanenteich. Seit der Erneuerung von Ein- und Auslauf zur Uchte gibt es so gut wie keinen Austausch mehr zwischen beiden Gewässern. Der Verein möchte Uchtewasser in den Teich umlenken. Sollte das nicht genehmigt werden, erwägen die Angler, den Teich abzufischen und als Pachtgewässer aufzugeben.

Stendal. Dass der Schwanenteich im Bebelpark kränkelt, sehen ihm auch Spaziergänger an, die nichts mit der Angelei oder der Wasserwirtschaft im Sinn haben. Erste bewachsene Inseln heben sich aus dem immer flacher werdenden Gewässer; Angler ziehen mit jedem Fisch büschelweise vermodertes Laub an die Oberfläche. Die wochen-, ja monatelange Trockenheit setzt dem kleinen See gehörig zu.

Doch es sind nicht allein die Launen des Wetters, die den Schwanenteich leiden lassen. Nach Überzeugung der Mitglieder des Stendaler Anglervereins, die ihn gepachtet haben, haben die städtischen Investitionen zur Erneuerung der beiden Brücken mit Ein- und Auslauf, also den beiden Verbindungen zur Uchte, das Problem verschärft. "Die Brücken sind schön gemacht, aber an uns hat man dabei nicht gedacht", fasst es der 2. Vereinsvorsitzende Herbert Lingnau in Worte.

Er und Gewässerwart Frank Eger, der auch als Fischereiberater des Landkreises fungiert, schildern der Volksstimme die Situation aus ihrer Sicht: Bei der Erneuerung der Brücken seien die Röhren höher gelegt und ihr Durchmesser von 120 auf 70 Zentimeter reduziert worden. Zudem seien Gitter gegen Treibgut mit einem Stababstand von fünf Zentimetern eingebaut worden, während die alten acht Zentimeter Durchlass hatten.

All das, so die Angler, habe verheerende Auswirkungen auf den Teich, die Fische und ihr Hobby. Sobald die Uchte etwas weniger Wasser als normal führt, fließt nichts mehr in den Schwanenteich. Dessen Wasserspiegel sinkt, und der fehlende Durchfluss lässt die Schlammschicht anwachsen. "Jedes Jahr um etwa 15 Zentimeter", schätzt Frank Eger. Wanderfische wie Bachforelle oder Aal, die normalerweise zum Laichen von der Uchte in den Schwanenteich kommen, erreichen das Gewässer nicht mehr; Hechte passen nicht durch die neuen Gitter.

Für Herbert Lingnau und Frank Eger gibt es nur einen Weg aus der Misere: Mit Hilfe eines Strömungslenkers wollen die Angler Wasser aus der Uchte in den Teich leiten. Mit einer Steinbarriere, einer Art Fischtreppe, soll der Fluss leicht angestaut werden, damit wieder Wasser durch die Röhre in Richtung Schwanenteich fließen kann. "Wir würden das selbst bauen", bietet Herbert Lingnau an. Bei einem Vor-Ort-Termin von Verein, Stadt und Landkreis warben die Angler für ihre Idee. Inzwischen haben sie bei der Unteren Wasserbehörde des Landkreises den Bau des Strömungslenkers offiziell beantragt.

Den Antrag bearbeitet der zuständige Sachbearbeiter im Umweltamt Stefan Feder. "Ich würde von einer festen Staustufe abraten", sagt Feder der Volksstimme. Die Stadt habe viel Geld investiert, um bei Bedarf Hochwasser durch die Stadt zu leiten. Bei einer festen Schwelle müsste die Stauhöhe noch zum Hochwasser addiert werden, das sei problematisch. Feder rät zu einem Strömungslenker ohne Staufunktion, der bei höheren Wasserständen den Einlauf in den Schwanenteich fördert.

Ob das den Anglern, den Fischen und dem Schwanenteich reicht, ist fraglich. Frank Eger: "Ich denke, der Teich wird im Sommer umkippen. Dann bleibt uns nur noch, ihn abzufischen und als Angelgewässer aufzugeben."