Salzwedel/Stendal. Die gestrige Entlassung des Salzwedeler Christdemokraten Jürgen Stadelmann aus seinem Amt als Umweltstaatssekretär schlug in den politischen Kreisen der Altmark wie eine Bombe ein. "Für die Altmark ist das außerordentlich bedauerlich. Wir verlieren eine Stimme in der Landesregierung", erklärte Salzwedels Landrat Michael Ziche (CDU).

Auch Stendals Landrat Jörg Hellmuth (CDU)bedauerte, "dass die Stimme der Altmark verstummt ist." Er habe Stadelmann als bodenständigen und engagierten Landespolitiker erlebt. Angesichts der Medienberichterstattung der vergangenen Tage habe er mit der gestrigen Entscheidung durchaus gerechnet, so Hellmuth. "Da ist mächtig Druck aufgebaut worden."

Lobbyarbeit für Region wird schwieriger

Etliche Jahre hatten der Krusemarker Landtagsabgeordnete Ralf Bergmann (SPD) und Stadelmann zeitgleich das Amt als umweltpolitische Sprecher ihrer Fraktionen ausgeübt: "Es war eine gute Zusammenarbeit mit Jürgen Stadelmann." Auch Bergmann bedauert die Entscheidung, die gestern in der Magdeburger Staatskanzlei fiel. "Ich sehe das als einen Rückschritt für den Umwelt- und Naturschutz in Sachsen-Anhalt." Stadelmann sei der kompetente Mann in der CDU für den Umweltbereich gewesen, begründete der Sozialdemokrat. Auch für ihn bedeutet die Entlassung des Salzwedelers eine Schwächung der Altmark. "Wir werden jetzt noch mehr die Hacken in den Teer hauen müssen", schwant es Bergmann mit Blick auf die künftige Lobbyarbeit in Magdeburg.

Der CDU-Kreisvorsitzende der westlichen Altmark, Dr. Hans-Heinrich Jordan, erfuhr gestern von der Volksstimme, dass Stadelmann seinen Posten verloren hat. "Ich bedauere es sehr", sagte Jordan spontan. Auch für ihn ist das ein "herber Verlust für die Region". Das sieht auch der Osterburger Landtagsabgeordnete Nico Schulz (CDU) nicht anders: "Ein Staatssekretär hat einen anderen Einfluss als ein Landtagsabgeordneter."

Zögerlich fiel die Reaktion des Klötzer CDU-Landtagsabgeordneten Uwe Harms aus. "Bevor ich etwas beantworte, sollten wir das Ergebnis der Untersuchung abwarten." Harms fügte ganz persönlich hinzu: "Ich wünsche Jürgen, dass er die Sache durchsteht und zur Aufklärung beiträgt."

Aufklärung wünscht sich auch der Salzwedeler Landtagsabgeordnete Hans-Jörg Krause (Linke). "Ich bin ein bisschen überrascht, dass das jetzt so schnell kam." Eigentlich gelte doch die Unschuldsvermutung. "Es scheint so, dass man nicht will, dass das eigene Nest noch mehr beschmutzt wird", schätzte Krause mit Blick auf die Entscheidung von Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) ein.

Ein Bauernopfer im Müllskandal?

Stadelmann ein Bauernopfer im Müllskandal des Jerichower Landes? In hiesigen politischen Kreisen wird diese These vertreten, aber nur hinter vorgehaltener Hand. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Stadelmann haben erst begonnen. Ihm wird Geheimnisverrat vorgeworfen. Der Salzwedeler soll im Jahr 2008 als Landtagsabgeordneter per E-Mail Protokolle aus dem Müllskandal-Untersuchungsausschuss an den parteilosen Landrat Lothar Finzelberg geschickt haben. Es ging dabei um die Vernehmung von zwei Mitarbeitern Finzelbergs, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt. Nur, die Sitzungen des Untersuchungsausschusses waren weitgehend öffentlich.