"Ansichtssache Stadtsee" haben die Pädagogen der Pestalozzi-Schule ihr Projekt genannt. Über das Medium Fotografie sollen lernbehinderte Schüler soziale Kompetenzen wie Ausdauer, Teamfähigkeit und Kreativität entwickeln. Und am Ende werden die Fotos ausgestellt.

Stendal. Ein Hundehaufen, ein toter Fisch und natürlich unzählige Stadtseemotive mit schwimmenden Gänsefamilien und flügelschlagenden Schwänen haben die Schüler der Pestalozzischule fotografiert. Nun flimmern die Fotos über den PC, aus den rund 250 Bildern sollen die zehn besten ausgewählt werden. In der Jury sitzen die Schüler selbst, eine handvoll Lehrer und Studentinnen.

Gelächter auf der Seite der Schüler, "Cool"-Ausrufe oder ein gegenseitiges Sich-auf-die-Schulter-Klopfen - sie sind stolz auf ihre Kunstwerke. Doch die Kunstlehrerin An- drea Achterberg bemängelt die immer wiederkehrenden Motive. "Die Schüler haben kaum eigene Ideen, viele fotografieren das, was die anderen aufnehmen und ehe sie richtig in Fahrt kommen, sind die zwei Stunden Unterricht schon wieder um."

Zusammen mit anderen Lehrern und Sozialpädagogen ist Achterberg am Projekt "Ansichtssache Stadtsee" beteiligt, in dem lernbehinderten Schülern grundlegende Kompetenzen vermittelt werden sollen. Dazu gehören in erster Linie Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Ausdauer und Kreativität. "Unser wichtigstes Ziel: Die Schüler sollen für das Leben lernen, denn das, was wir ihnen hier nicht beibringen, lernen sie auch nicht zu Hause", bringt Andrea Achterberg die familäre Situation der Schüler auf den Punkt.

In dem Fotoprojekt sollen sich die Schüler über das Medium Fotografie mit ihrer eigenen Umgebung auseinandersetzen, Motive auswählen, sich mit den Mitschülern austauschen und lernen, mit einer Digitalkamera umzugehen. "Das Projekt gefällt mir sehr gut, vor allem deshalb, weil wir alle was zusammen machen", sagt die 15-jährige Susanne.

Wöchentlich treffen sich die 8. und 9. Klassen, insgesamt 60 Schüler nehmen abwechselnd an dem Projekt teil, entweder im Kunstunterricht oder nachmittags auf Freiwilligenbasis. Auch das Fotostudio Ullrich ist mit von der Partie, vermittelt Grundlagen der Fotografie und gibt Einblicke in die tägliche Arbeit.

Nach der erfolgreichen Teilnahme am Projekt bekommt jeder Schüler ein Abschlusszertifikat, das er in den Bewerbungsunterlagen für einen Ausbildungsplatz mitpräsentieren kann. "Außerdem wollen wir die ausgewählten Motive auf Leinwände oder Postkarten bringen", sagt An- drea Achterberg. Die Leinwände sollen ausgestellt werden - in der Schule und im MAD-Club. Und die Postkarten? "Die könnten die Schüler ihren Großeltern schicken", sagt Achterberg schmunzelnd.