Franziska Soika und Erik Schollmann sind seit September vergangenen Jahres im Bucher Umweltbildungszentrum tätig. Sie absolviert hier ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ), er statt eines Zivildienstes in einem Altenpflegeheim ein Jahr Natur- und Landschaftspflege, kombiniert mit Bildungsarbeit. Zur Zeit berichten die beiden fast täglich künftigen Interessenten für eine solche Stelle, wie ihre Arbeit im Zönu aussieht, machen neugierig auf ein Jahr Auszeit nach der Schule. Noch läuft die Bewerbungszeit.

Buch. Für einige junge Menschen, die derzeit mitten in den Abiturprüfungen stecken, stellt sich vielleicht die Frage: Wohin nach dem Abi? Gleich wieder auf die Schulbank, weiter büffeln an der Uni, eine Lehre beginnen oder ein Orientierungsjahr einlegen? Welcher Weg ist der richtige?

"Wir können es jedem nur empfehlen"

Auch Franziska Soika und Erik Schollmann standen vor etwa einem Jahr vor dieser Frage. Sie entschieden sich nach dem Abitur für ein Jahr im Bucher Zentrum für Ökologie, Natur- und Umweltschutz (Zönu). Und mit einem Blick zurück auf die vergangenen Monate sagen sie schon jetzt: "Wir können es jedem nur empfehlen." Die Arbeit in und mit der Natur, mit Kindergruppen und Erwachsenen sei keinesfalls verbummelte Zeit. "Hier sammeln wir jede Menge Erfahrungen, viele Ideen, meistern kleine und große Herausforderungen", sagt sie. Doch nie sei eine Hürde bisher unüberwindbar gewesen. "Wir wussten ja eigentlich auch, was auf uns zukommen würde", berichtet Erik. Beide hatten sich vorher im Zönu umgeschaut, jede Menge Fragen gestellt und wollten genau wissen, was in dem einen Jahr alles zu tun sein würde.

Im Laufe der Monate haben die beiden viele Erkenntnisse in Sachen Umweltarbeit mit Kindern gesammelt. Ihr Fazit: "Die Arbeit mit kleinen Kindern, also Grundschülern, macht mir Spaß. Die noch Kleineren, also die Kindergartenkinder, sind mir dagegen viel zu zappelig." Erik arbeitet lieber mit Mädchen und Jungen ab Klasse sechs aufwärts.

Für Franziska Soika steht deshalb nach den Monaten im Zönu fest, dass sie Grundschullehrerin werden wird. Erik Schollmann, der zu Beginn des Zönu-Jahres noch Biologie oder Biotechnologie hatte studieren wollen, schwankt jetzt zwischen Biologie und dem Lehramt Biologie/Mathematik.

Erik ist sich sicher: "So ein Jahr würde jedem guttun." Es sei der erste Schritt in ein selbständiges Leben, aber nicht gleich mit erneutem Lernen und Schulbankdrücken verbunden. Es fordere jeden jungen Menschen von einer ganz anderen Seite, mache vertraut mit dem Arbeitsleben. "Die, die nicht wissen, wohin sie wollen, kriegen hier jede Menge Einblicke und Eindrücke", berichtet Franziska.

Noch bis 31. August sind die beiden im Zönu aktiv, werden Schülergruppen durch die Natur führen und sie mit ihrer Heimat von einer für sie bis dahin meist unbekannten Seite vertraut machen. Arbeitsgrundlage ist für die FÖJler in den meisten Fällen Material, das ihre Vorgänger in der Vergangenheit erarbeitet hatten. Ganz gleich, ob es da zum Tümpeln geht, um das Leben des Weißstorches, Kräuterkunde, Wissen rund um Apfel oder Kartoffel - für diese und noch jede Menge andere Themen hatten junge Menschen in vorangegangenen freiwilligen ökologischen Jahren hier Arbeitsmappen zusammengestellt, mit denen immer wieder gearbeitet werden kann.

"Der erste Jungstorch heißt jetzt Scholli"

Erik Schollmann wird am Ende seiner Zeit im Bucher Zönu das Storchenleben im Zeitraffer dokumentiert haben. Denn das Leben des Storchenpaares auf dem Zönudach wird rund um die Uhr per Kamera festgehalten.

Im Übrigen war er es auch, der in diesem Jahr den ersten Jungstorch entdeckt hatte. "Deshalb trägt dieser jetzt den Namen Scholli", berichtet Zönu-Leiterin Uta Neuhäuser. Der kurze Zeit später geschlüpfte zweite Storch heißt Gunnar. Kinder einer Grundschulklasse, die in der vergangenen Woche im Zönu zu Besuch war, gaben ihm den Vornamen ihres Schulleiters.

Wer Interesse an einem freiwilligen ökologischen Jahr oder einem Zivildienst im Bereich des Umweltschutzes im Zönu hat und mindestens 16 Jahre alt ist, kann seine Bewerbungsunterlagen noch an die Bucher Einrichtung schicken. Telefonisch erreichbar ist das Zönu unter der Telefonnummer (03 93 62) 8 16 73. Einige potentielle Nachfolger haben sich in den vergangenen Wochen hier bereits umgeschaut.