Wer beim Fliegen nur an die großen Passagiermaschinen und Kampfjets denkt, liegt falsch. Denn abseits des militärischen und des Linienluftverkehrs siedelt sich die Allgemeine Luftfahrt an. Der dazugehörige Verband bot Ende der letzten Woche ein Flugsicherheitscamp auf dem Flugplatz Borstel an. Unser Autor flog einen Tag mit.

Stendal/Borstel. Privater und beruflicher Reiseverkehr, Ausbildungsflüge, Foto- und Rundflüge, Polizei- und Rettungseinsätze, Flugsport. All diese Bereiche deckt der AOPA, der Verband der Allgemeinen Luftfahrt, ab. Mittlerweile sind alleine in Deutschland 10000 Mitglieder organisiert, weltweit sind es etwa 500000.

23 davon trafen nun letzte Woche zu einem dreitätigen Camp in Borstel zusammen, "angereist aus dem gesamten Bundesgebiet", wie Otto Stein von der AOPA betont. Instrumentenanflüge, Seitenwindtraining, Ziel- und Außenlandungen stehen ebenso auf dem Programm wie theoretische Unterweisungen. Unter Anleitung von zwölf Fluglehrern frischen die Teilnehmer ihr Wissen auf, lernen Neues oder vertiefen ihre Fähigkeiten.

"Ein Flugzeug für 200000 Euro"

Auch ich darf Platz nehmen in einer der Maschinen. Es handelt sich um eine einmotorige Rockwell Commander, "zehn Jahre alt, mit einem Wert von knapp 200000 Euro", wie Johannes Dahmlos, IT-Fachmann aus Hamburg und nebenberuflich Fluglehrer, erklärt. Am Steuer Andrea Witte, eine Pilotin aus Usedom. Auf der Rückbank dann ich. Nicht aufgeregt, nicht nervös, aber durchaus erwartungsfroh. Fliegen ist kein Neuland für mich, die Art des Flugzeuges schon. Ebenfalls kein Neuland ist das Fliegen für die Camp-Besucher. Die Altersspanne erstreckt sich von 20 bis 75, die meisten sind seit Jahren aktiv. Was sie gar nicht gerne hören, ist das Wort "Hobbyflieger". Diese Bezeichnung werde der Arbeit und dem Einsatz nicht gerecht. Viele AOPA-Mitglieder verbinden die Fliegerei mit ihrem Beruf, indem sie die Flugzeuge als Transportmittel für Geschäftstermine nutzen. Von den Anschaffungskosten für eine eigene Maschine einmal abgesehen, sei die Fliegerei auch nicht mehr nur etwas für Besserverdienende, sagt Stein.

"Fliegen ist umweltschonend"

Zudem sei Fliegen - entgegen der weit verbreiteten Meinung - sehr wohl umweltschonend. Otto Stein rechnet vor: "Wir verbrauchen etwa 20 bis 30 Liter Kraftstoff, um 250 bis 300 Kilometer Luftlinie zurückzulegen." Der Preis für einen Liter bewege sich etwa 80 Cent über dem Durchschnitt für Pkw, ergänzt Johannes Dahmlos.

Für mich sind Spritpreise und Verbrauch jedoch zunächst zweitrangig, als die Maschine abhebt. Für insgesamt drei Runden gehen wir in die Luft, unter uns Stendal, Borstel und die weiten Felder. Geflogen wird bewusst nicht über Wohngebieten, um die Lärmbelästigung in Grenzen zu halten. Es ergeben sich ganz neue Blicke auf die Stadt, auf den Dom, den Bahnhof oder den Stadtsee.

Andere, längere Flüge führen die Camp-Teilnehmer an den drei Tagen nach Hamburg, Hannover oder Berlin, aber auch nach Rügen, Polen und sogar Schweden. Unterwegs werden dann die diversen Übungen absolviert. Diese könne man sich vorstellen "wie ein ADAC-Sicherheitstraining, nur in der Luft", sagt Johannes Dahmlos.

Insgesamt zum 18. Mal fand das Camp in Stendal statt. Im Herbst folgt die 19. Auflage.

 

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