Eine positive Bilanz nach dem Start des Projektes Bürgerarbeit in Havelberg und Sandau zu Beginn dieses Jahres hat das Jobcenter Stendal gemeinsam mit den beteiligten Partnern gezogen. Beim Pressegespräch im Paradiessaal am Havelberger Dom wurde über den erfolgreichen Beginn berichtet. 106 von geplanten 180 Plätzen sind bereits besetzt.

Havelberg. Nach langer Arbeitslosigkeit endlich wieder einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen, unter Menschen sein und eine Perspektive bekommen. Das sind Ziele der Bürgerarbeit - ein Projekt, das es mittlerweile bundesweit gibt. Seinen Ursprung hatte es in Sachsen-Anhalt. Schon damals hatte die Stadt Havelberg viel unternommen, Nutznießer der Bürgerarbeit zu werden. Doch klappte es erst jetzt damit, dafür aber im großen Umfang. 180 Frauen und Männer haben in verschiedenen Maßnahmen für drei Jahre eine feste Beschäftigung und damit auch eine Chance, wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

"Bürgerarbeit ist eine Chance für die Menschen und für die Region", sagte Marion Emmer, Geschäftsführerin des Jobcenters Stendal. Möglich wurde dieses Projekt in Havelberg und Sandau durch die gute Vernetzung von Partnern, zu denen neben dem Jobcenter der Landkreis Stendal, die Städte, die BBA Altmark und die Gesellschaft für Arbeitsförderung und Sanierung (GfAuS) gehören. Die Bürgerarbeit steht am Ende von insgesamt vier Stufen. Die ersten drei Stufen sind die sogenannte Aktivierungsphase mit Beratung und Standortbestimmung, Vermittlungsaktivitäten für den ersten Arbeitsmarkt sowie Qualifikation und Förderung. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels hat die Integration der Arbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt oberste Priorität. "Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, erfolgt die Vermittlung in Bürgerarbeit", sagt Marion Emmer.

Der Geschäftsstelle des Jobcenters in Havelberg standen in Vorbereitung des Projektes 749 Personen für die Aktivierung zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit der BBA wird zunächst der aktuelle Stand analysiert. Dabei wird zum Beispiel geprüft, wo Möglichkeiten zur Weiterbildung und Umschulung sind. Nur dann, wenn aus sozialen, Alters- oder gesundheitlichen Gründen keine Aussicht auf Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt besteht, wird eine Bürgerarbeit angestrebt, erklärte Iris Warnstedt von der Havelberger Geschäftsstelle.

Bisher wurden der BBA gut 400 Personen für die sechs Monate dauernde Aktivierung zugewiesen. 106 der insgesamt 180 geplanten Plätze sind bereits besetzt. Bis zum Jahresende sollen alle Plätze vergeben sein, sagte Iris Warnstedt. Einsatzgebiete sind im Umwelt- und Naturschutz, im sozialen Bereich sowie in Tourismus, Kultur, Sport und Feuerwehr.

Bei der Auswahl der Bürgerarbeiter spielen Kriterien eine Rolle, die etwa das Alter betreffen. Vorzug haben Bedarfsgemeinschaften mit Kind, wo keiner der Partner eine Beschäftigung hat, Alleinerziehende sowie Ältere über 50 Jahre. Die Bürgerarbeit ist gefragt, "wir haben mehr Leute, die in das Projekt möchten als Stellen vorhanden sind", sagte Iris Warnstedt.

Die Begehrlichkeit ist nicht nur bei den betroffenen Langzeitarbeitslosen groß, sondern auch bei den Trägern. Viele haben Interesse angemeldet. Von den 180 Plätzen sind bisher lediglich sieben unverplant. Dass es aber für Kindergärten keine Bürgerarbeit beziehungsweise AGH-Maßnahmen mehr gibt, hat nichts mit dem Jobcenter zu tun. Das ist eine Entscheidung des Landes, sagte Marion Emmer auf Nachfrage.

Sowohl Landrat Jörg Hellmuth als auch Havelbergs Bürgermeister Bernd Poloski hoben die Bedeutung der Bürgerarbeit für die Region hervor, auch mit Blick auf die Bundesgartenschau. Wichtig ist ihnen auch der soziale Aspekt für die Menschen. Bei der Vorbereitung und Begleitung der Maßnahmen bewährt sich der Beirat aus ständigen sowie temporären Mitgliedern.

Die Bürgerarbeit wird aus verschiedenen Töpfen der EU, des Landes und des Landkreises finanziert. Der Kreis zahlt monatlich 70 Euro pro Arbeitnehmer.