Die Zwangsverwaltung eines Teils der Wohnungen von M E Real Estate in Stendal-Süd ist beendet (Volksstimme berichtete gestern). Doch wer verwaltet nun? Anstelle des Magdeburger Rechtsanwalts Thorsten Klinkau stehen den Mietern nun wieder die alten "Eigentümer" als Empfänger von Mieten und Nebenkosten gegenüber.

Stendal. Das Gerangel um die maroden Wohnblocks von Stendal-Süd wird immer verworrener. Vorgestern kündigte Versorger Techem die Sperrung der Warmwasserversorgung für die bis vor Kurzem zwangsverwalteten Wohnungen an. Das betrifft etwa zwei Drittel des Restbestandes der 550 Wohnungen im Abrissviertel Süd, diejenigen, die von der türkisch-aserbaidshanischen Firma M E Real Estate zwar ersteigert, aber nicht bezahlt worden waren.

Techem hatte wegen ausbleibender Zahlungen für Fernwärme und Warmwasser die Zwangsverwaltung selbst betrieben und im Januar dieses Jahres einen entsprechenden Beschluss des Stendaler Amtsgerichts erwirkt. Die Mieter glaubten sich mit der Übernahme der Geschäfte durch den Magdeburger Rechtsanwalt Thorsten Klinkau in relativer Sicherheit vor der von Techem wiederholt angedrohten Absperrung des Versorgungshahns.

Diese Rechnung ging anfangs auch auf. Ende Februar erklärte Techem-Sprecher Jens Christmann der Volksstimme, seine Firma sehe "zurzeit keinen Grund, etwas abzustellen", da der Zwangsverwalter das Geld überweise. Doch das änderte sich offenbar in den folgenden Wochen. In seiner Pressemitteilung vom Montag dieser Woche schrieb Christmann, dass es Zwangsverwalter Klinkau nicht gelungen sei, "die für die Bewirtschaftung der Immobilien notwendigen Mieten und Nebenkostenvorauszahlungen einzuziehen". Techem beklagt inzwischen ausstehende Zahlungen in Höhe von 250000 Euro. Das Büro von Klinkau in Magdeburg bestätigte gestern, dass die Einnahmen angesichts der geringen Grundmieten nicht ausgereicht hätten; der Rechtsanwalt selbst war gestern nicht erreichbar.

Amtsgericht hebt Zwangsverwaltung auf

So war es wieder die in Eschborn bei Frankfurt am Main ansässige Firma Techem, die beim Stendaler Amtsgericht die Aufhebung der Zwangsverwaltung durch Thorsten Klinkau beantragte. Das Gericht kam dem vor wenigen Wochen nach, wie Justizsprecher Dr. Michael Steenbuck gestern bestätigte. Seitdem stehen die Mieter wieder in direkter Geschäftsbeziehung zu den alten "Eigentümern", denen die Häuser nicht wirklich gehören. Einen weiteren Zwangsversteigerungstermin, so der Justizsprecher, gebe es voraussichtlich im Herbst.

Für das Drittel der Süd-Wohnungen an der Bremer Straße, die M E tatsächlich gekauft hat und für die die Stadtwerke ohne Zwischenhändler Techem direkt Lieferpartner sind, hatten die Stadtwerke im Februar die Absperrung von Wärme und Wasser angekündigt. Das, so Sprecher Rolf Gille gestern, sei bisher jedoch nicht umgesetzt worden, weil inzwischen wieder Geld geflossen sei.