Das Thema Kindertagesstätte Spielhaus war am Mittwochabend bestimmendes Thema der Sitzung des Tangermünder Stadtrates. Bürgermeister Rudolf Opitz machte den Rat umfassend mit dieser Problematik vertraut. Annika Kumm, Vertreterin des Elternkuratoriums, wollte wissen, weshalb von einer Schließung zum 31. August gesprochen wird. Sie habe im Landratsamt eine ganz andere Aussage erhalten.

Tangermünde. Die einzige städtische Kindertagesstätte, das Spielhaus, steht auf der Abschussliste. Nicht erst jetzt. Schon seit Jahren denken die Stadtväter im Rahmen eines sogenannten Gebäudekonzeptes darüber nach, stadteigene Gebäude leer zu ziehen, sie zu veräußern, damit hohe Betriebskosten zu sparen und gleichzeitig Einnahmen aus dem Verkauf der Häuser zu erzielen.

"Haben eine feste Zusage über 1,5 Millionen Euro"

Eines dieser Häuser ist die Villa in der Friedrich-Ebert-Straße, das Spielhaus. Aber auch das Bürgerhaus in der Arneburger Straße, in dem Bibliothek, Archiv und Vereinsräume untergebracht sind, hängt der Kommune seit Jahren wie ein Klotz am Bein.

Die Pläne für die Kita sahen in der Vergangenheit so aus, dass irgendwann einmal, ohne den Zeitpunkt zu kennen, Spielhaus und Kita Luisenstraße eine Einheit bilden sollten. Allerdings erst dann, wenn in der Luisenstraße komplett saniert oder neu gebaut wurde. Ideen gab es dafür viele. Doch das Geld fehlte bisher. "Jetzt haben wir eine feste Zusage von der Hugo-Meyer-Nachfahren-Stiftung über 1,5 Millionen Euro", sagte Bürgermeister Opitz am Mittwochabend. Damit wäre der 1,8 Millionen Euro teure Kita-Neubau in der Luisenstraße so gut wie bezahlt. Die Planungen zum Neubau sind fast abgeschlossen. Ende Sommer soll der Stadtrat diese erstmals sehen. Ende des Jahres möchte die Stadt die Pläne zur Genehmigung beim Landkreis einreichen.

Geht alles nach Plan, hätte Tangermünde in drei, vier Jahren eine nagelneue Kindertagesstätte und damit Platz genug für die heutigen Kinder in der Luisenstraße und der Friedrich-Ebert-Straße. Aber eben erst in drei bis vier Jahren.

Eine Brandschutzschau des Landkreises im April im Spielhaus brachte die Pläne der Kommune erheblich durcheinander. Eine 37 Punkte umfassende Mängelliste, so der Bürgermeister, sei das Ergebnis gewesen. "Zehn, elf Punkte dieser Liste sind baulich und kostenmäßig mit erheblichem Aufwand verbunden", berichtete er dem Stadtrat. Ein Architekt hätte einen ersten Kostenrahmen erarbeitet und sei bei 103 000 Euro angekommen. "Darin sind weder Malerarbeiten noch Planungskosten enthalten", sagte Opitz.

"Die akuten Mängel sind damit abgestellt"

Um die Kita Spielhaus nicht sofort schließen zu müssen, hatte die Stadt nach Aussage des Stadtoberhauptes die Auflage bekommen, sofort zu handeln. Das Ergebnis: Im Außenbereich steht heute ein riesiges Gerüst, das die Stadt gemietet hat und im Ernstfall als zweiter Fluchtweg aus dem Obergeschoss des Spielhauses dienen soll. Im Inneren wurden Keller und Dach entrümpelt, werden demnächst noch Brandschutztüren eingebaut.

"Damit sind die akuten Mängel bereits abgestellt", sagte Dirk Michaelis, Leiter des Bauordnungsamtes des Landkreises Stendal, gestern auf Nachfrage. Der Landkreis hätte der Stadt bis Ende August die Frist gesetzt, diese Gefahren zu beseitigen. Da das bereits zum größten Teil erfolgt sei, "kann von uns aus das Spielhaus auch noch über den 31. August hinaus betrieben werden", sagte er. Das heiße nicht, so der Fachmann, dass damit alle Probleme in der Tagesstätte beseitigt wären. "Ich weiß zum Beispiel, dass auch die gesamte Elektroanlage in der Kita einer Revision unterzogen werden muss", setzte er fort. Welche Kosten im Ergebnis hier auf die Stadt zukommen würden, sei noch nicht bekannt.

Michaelis sprach davon, in der Kita "grundsätzliche Standards herzustellen, Auflagen des organisatorischen Brandschutzes bis zum Ende des Jahres umsetzen zu müssen". Im Gespräch mit seinen Kollegen des Bauordnungsamtes und des Gewerbeaufsichtsamtes habe er nicht erfahren, dass die Kita unbedingt zum 31. August geschlossen werden müsse. "Vielmehr warten wir jetzt darauf, dass die Stadt uns Vorschläge unterbreitet, wir uns gegenseitig annähern", so Michaelis. Vielleicht sei es ja doch möglich, mit der Erfüllung weiterer Auflagen noch den Zeitraum bis zur Fertigstellung der geplanten Kita in der Luisenstraße zu überbrücken. Doch dazu, so der Amtsleiter, müssten Gespräche geführt und Vorschläge unterbreitet werden.

"Können wir für unsere Kinder noch etwas bewegen?"

In Annika Kumm, Vertreterin des Elternkuratoriums, hatte diese Aussage, die sie persönlich auch aus dem Landratsamt erhalten hatte, ein wenig Hoffnung geweckt. "Können wir als Eltern noch etwas bewegen? Können wir noch kämpfen?", wollte sie am Mittwochabend vom Bürgermeister wissen.

Da der Stadtrat erst in seiner Sitzung Ende Juni beschließen wird, ob die Kita Spielhaus geschlossen werden soll oder nicht, hätten die Eltern, so Rudolf Opitz, in den Ausschusssitzungen Anfang Juni nochmals Gelegenheit, Informationen zu sammeln, sich einzubringen. Ziel des Elternkuratoriums sei es jetzt, so Annika Kumm, Spenden zu sammeln, Sponsoren zu finden, die helfen sollen, das Spielhaus aus Brandschutzsicht sicher zu gestalten.