Der Platz "Am Dom" ist eines der stimmungsvollsten Platzensembles der Stadt. Zurzeit wird ein Loch in die umgebende Bebauung gerissen. Doch die Harmonie bleibt nicht lange gestört. Gleich nach dem Abriss wird auf den alten Fundamenten neu gebaut. Das Privatgymnasium schafft sich hier einen Campus.

Stendal. Nicht etwa ein altes oder gar das älteste Haus Am Dom fällt in diesen Tagen der Abrissbirne zum Opfer, sondern das jüngste. Die Hausnummer 12, erst in den 1990er Jahren als Herberge für die Fachhochschule gebaut und seit Jahren ungenutzt, muss einem Neubau weichen. Die neuen Eigentümer – die Schulträger des Privatgymnasiums, Peter Güssau und Peter Scholz, die auch das stattliche Fachwerkhaus links daneben gekauft haben – haben für den 90er-Jahre-Bau keine Verwendung.

"Wir haben ein Gutachten anfertigen lassen. Das hat ergeben, dass das Haus für schulische Zwecke ungeeignet ist", erzählt Peter Scholz, Leiter der Privatgymnasien Stendal und Tangermünde und der Privaten Sekundarschule. Es sei zu stark verwinkelt, und die Deckenhöhe reiche nicht aus.

So wird das Haus jetzt abgetragen, damit gleich anschließend auf der alten Bodenplatte der Rohbau für ein neues Schulgebäude hochgezogen werden kann. Zum Beginn des nächsten Schuljahres im August muss es ebenso wie das zur Sanierung stehende Fachwerkhaus Am Dom 13 fertig sein. Denn, so Scholz: "Wir brauchen die Räume dringend."

Im Neubau werden ein hochmodernes Chemie- und ein Physikkabinett, jeweils mit Vorbereitungsraum, entstehen, außerdem zwei allgemeine Klassenräume und ein Lehrerzimmer. Ins Fachwerkhaus, dessen obere Etage zu Hochschulzeiten gesperrt werden musste, werden neue Deckenträger eingezogen, so dass wieder das gesamte Gebäude genutzt werden kann. Es wird unten drei und oben zwei Klassenräume aufnehmen, außerdem das Sekretariat und Sanitärräume. Ein gläserner Zwischenbau für Fahrstuhl und Fluchtwege wird die Lücke zwischen beiden Häusern schließen und sie behindertengerecht machen.

Ab August sollen dann alle Stendaler Gymnasialklassen des privaten Schulträgers, die zum Teil noch in der Sekundarschule am Mönchskirchhof untergebracht sind, an dem neuen Campuskomplex Weberstraße/Am Dom konzentriert werden. Die Klassen 5 bis 8 haben dann ihren Standort auf dem Gelände Weberstraße 27, der aus dem historischen Schulgebäude an der Straße, dem sanierten rückwärtigen Gartenhaus und einem im vergangenen Jahr errichteten neuen Anbau besteht. Die Klassen 9 bis 12 ziehen in die beiden Gebäude Am Dom 12 und 13. Die zwei Häuser am Mönchskirchhof bleiben dann allein der Sekundarschule vorbehalten.

Alles zusammengenommen, schaltet und waltet Schulleiter Peter Scholz einschließlich des Tangermünder Gymnasialteils über die größte Schule Stendals. "Wir haben 720 Schüler und 78 Lehrkräfte", rechnet er vor. Jeweils zweizügig, sind das zwölf Sekundarschul- und 16 Gymnasialklassen in Stendal und acht in Tangermünde. Allein 15 Englischlehrer machen es möglich, dass ein Zug zweisprachig unterrichtet wird: in Mathe, Geschichte, Geografie und Sport.

 

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