Stendal. In der gestrigen Fortsetzung des Prozesses um den großangelegten Drogenhandel in Stendal wurden die persönlichen Werdegänge der drei Angeklagten Wladislaw K. (21), Mathias K. (26) und Monique R. (30) besprochen.

Wie berichtet, hatte das selbst Drogen konsumierende Trio vor der Jugendkammer unter Vorsitz von Richter Ulrich Galler eingeräumt, zwischen Januar 2007 und August 2010 kiloweise mit Rauschgift gehandelt zu haben. Im Gegenzug hatte das Gericht mildere Urteile in Aussicht gestellt.

Für den 21-Jährigen, der bei den ersten Taten noch Jugendlicher und bei der Mehrzahl Heranwachsender war, geht es um die Frage, ob er nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen ist. Die Jugendgerichtshilfe plädierte gestern für das mildere Jugendrecht, weil Wladislaw K. aufgrund des eigenen Drogenkonsums Entwicklungsdefizite aufzuweisen habe. In Kirgisien geboren, kam K. 1995 nach Stendal und wurde hier eingeschult. Er galt als guter Schüler, bis er mit 13 Jahren mit Alkohol und wenig später mit Drogen in Kontakt kam, was mit der Zeit geradezu exzessive Züge annahm. Anfangs habe er nur Haschisch, Marihuana und Extasy konsumiert, später auch täglich Kokain und Heroin in immer größeren Mengen.

Um seinen eigenen Bedarf zu decken, habe er angefangen zu dealen. Von wem er den Stoff bezog, wollte er nicht sagen. Fragen, die über sein Geständnis hinausgingen, beantwortete er nicht. In der Jugendanstalt Raßnitz, in der er seit August in Untersuchungshaft sitzt, habe er einen Entzug durchgemacht. Nach dem Absitzen der zu erwartenden Freiheitsstrafe will er eine Suchtherapie machen und eine Ausbildung beginnen. Die Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe schildert ihn als "höflich und nett". Sein Anwalt ergänzt: "Seine Leidenschaft ist das Gitarrespielen." Mit dem Gesetz ist er bislang nur einmal wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in Konflikt gekommen. Das will alles gar nicht so recht zur Anklage passen. Soll er doch mehrfach recht brutal zahlungsunwillige Kleindealer attackiert haben.

Mathias K. (26) stammt aus einem Dorf bei Stendal und hat ebenfalls schon eine längere Drogenkarriere hinter sich. Er ist Vater eines Kindes und ledig. Mit 13, 14 Jahren sei er erstmals mit Alkohol und Drogen in Kontakt gekommen und sei beiden immer mehr verfallen, habe sich "zugedröhnt und Party gemacht".

Bis auf Heroin habe er so ziemlich alles geraucht oder "eingeworfen" und seinen Konsum mit Einbrüchen und Diebstählen finanziert. Seine Vorstrafenliste ist entsprechend lang. Eine Lehre brach er ab, eine zweite zum Maurer vollendete er aber im Berufsbildungswerk. Nach Haftverbüßung will auch er eine Therapie machen. Und er will aus Stendal weg, aus Angst, rückfällig zu werden. Bleibt noch Monique R. als dritte auf der Anklagebank. Die Mutter von drei Kindern, die seit Anfang 2009 mit Wladislaw K. zusammen ist, hat eine Lehre zur Verkäuferin abgeschlossen. In ihrem Beruf gearbeitet hat sie aber, von Praktika abgesehen, noch nie. Mit Drogen kam sie 16-jährig erstmals in Berührung, nehme aber nur gelegentlich, und das vorwiegend am Wochenende, Extasy und Amphetamine zu sich. Vorbestraft ist sie nicht.

Am 11. März wird der Prozess fortgesetzt. Dann sollen mehrere, unlängst rechtskräftig verurteilte Kleindealer als Zeugen aussagen. Unter anderem einer, der von Wladislaw K. geschlagen und bedroht worden sein will.