Das Flusskreuzfahrtschiff "Clara Schumann" hat sich in den vergangenen fünf Monaten in Tangermünde einer Generalsanierung unterzogen. Auf der Werft der Stadt wurde es für fast 100 Millionen Euro komplett auf den Kopf gestellt. Ende März wird das Schiff, das der Viking-Reederei gehört, auslaufen und wieder auf der Elbe unterwegs sein.

Tangermünde. In gerade einmal fünf Monaten hat "Clara Schumann", das Flusskreuzfahrtschiff der Viking-Reederei, eine komplette Generalüberholung erfahren. War das rot-weiße Schiff in den Jahren zuvor Winter für Winter im Hafen von Tangermünde festgemacht, um hier auf den nächsten Saisonstart vorbereitet zu werden, so ging es in diesem Winter für das 20 Jahre alte Wasserfahrzeug in das Dock der Schiffbau- und Entwicklungsgesellschaft Tangermünde (SET).

"Auf Handwerker der Region zurückgegriffen"

Christel Börsch, Geschäftsführerin der SET, sagt: "Wir haben alles herausgerissen, so dass wirklich nur noch der Rahmen übrig blieb. Es wurde alles komplett neu gemacht, ganz nach den Wünschen des Auftraggebers." Alle Kabinen, Restaurant, Lounge, selbst Technik und Ausstattung des Flusskreuzers waren Bestandteil der Sanierung. "Dabei haben wir vor allem auf Handwerksbetriebe der Region zurückgegriffen", so Christel Börsch. Tischler, Fußbodenleger, Maler und Raumausstatter – alles Handwerker, die sich in der Vergangenheit bereits bei anderen Projekten auf der Werft bewährt gemacht hatten – kamen auch hier wieder zum Zuge.

Lediglich der Bau von Restaurant und Lounge wurden von einer Firma aus Österreich übernommen. Stefan Seger von dieser Firma arbeitet seit Jahren mit der Tangermünder Werft zusammen. Ebenso Dirk Schlothauer, Vertreter eines Hamburger Unternehmens. Die beiden Männer sind seit 1999 immer wieder bei Schiffsprojekten der SET im Einsatz.

Um die 60 Kabinen innerhalb der Wintermonate einmal auf den Kopf zu stellen, glich die Geschäftigkeit an manchen Tagen "einem Ameisenhaufen", so Schlothauer. Bis zu 50 Handwerker seien zeitgleich auf zwei Decks beschäftigt gewesen. Dabei wurden unter anderem zwölf Kabinen zu acht Suiten verwandelt. Sie sind geräumiger als eine Kabine. Blick auf das Wasser haben bei der Flusskreuzfahrt alle Passagiere. Nur Balkons gibt es nicht.

Jetzt, wenige Tage vor dem Auslaufen des Schiffes, ist das neue Bild der "Clara Schumann" bereits erkennbar. Braune Farbtöne bestimmen den Charakter. "Typisch nordisch", sagt Werftchefin Christel Börsch. Sie hat in den vergangenen Jahren Schiffe mit unterschiedlichster Ausstattung an Kunden ausgeliefert. Gebaut wird immer so, wie es gewünscht wird.

Die "Clara Schumann" hat seit Jahren eine feste Route. Auf der Elbe fährt sie in acht Tagen von Magdeburg bis in das tschechische Melnik. Größtenteils sind es amerikanische Besucher, die diese Angebote nutzen, auf diesem Wege Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg, Wittenberg, Meißen und Dresden kennenlernen. Kapitän an Bord des Flusskreuzfahrtschiffes ist der Tscheche Vaclav Ber. In diesem Jahr startet er die fünfte Saison auf der "Clara Schumann". Seit neun Jahren fährt er für die Viking-Reederei.

Zeitgleich mit dem Umbau der Schumann lief auf der SET die Winterinspektion für etliche andere Flusskreuzfahrtschiffe, die wie in jedem Winter im Hafen festgemacht hatten. Die Frederic Chopin, Katharina von Bora und Königstein, die Swiss Coral und Saxonia überwinterten hier. Firmen aus der Region übernahmen Wartungs- und Reparaturarbeiten auf den schwimmenden Hotels. Ende März gehen sie alle wieder auf Tour. Bis auf die Katharina von Bora werden sie alle auf der Elbe und im Osten Deutschlands unterwegs sein. Eine beliebte Route ist die von Prag nach Potsdam und Potsdam–Rügen. "Flusskreuzfahrten sind im Kommen", hat Christel Börsch beobachtet.

"Haben Aussicht auf einen Anschlussauftrag"

Ganz nebenbei gab es für die Tangermünder Werftarbeiter in den vergangenen Monaten noch in der Halle der SET jede Menge Arbeit. Hier entsteht eine nagelneue Fähre für den Bereich Bremen Nord. Ende Juni wird sie fertig sein. Ende März ist der Stapellauf für das 56 Meter lange Transportmittel geplant. Zuvor muss der Neubau, der bislang noch aus zwei Teilen besteht, an Land zusammengeschweißt werden.

Ist dieser Großauftrag abgeschlossen, "haben wir einen Anschlussauftrag in Aussicht", verrät die Werftleiterin, froh darüber, den 120 Männern und Frauen des Unternehmens auch für die Zukunft Arbeit bieten zu können. Während in Tangermünde die größeren Modelle repariert und neu gebaut werden, haben sich die Mitarbeiter am Werft-Standort Genthin auf den Neubau von Polizeibooten spezialisiert. Hier entsteht derzeit eines für den Bodensee. Motorgüter- und Schubschiffe werden in Genthin repariert und umgebaut.

Seit Jahren ist die SET auch Ausbildungsbetrieb. Zurzeit werden hier 21 junge Männer zu Konstruktionsmechanikern und Mechatronikern ausgebildet.