Neun sachsen-anhaltische Architekturbüros haben sich mit zehn Entwurfsarbeiten am Wettbewerb der Architektenkammer des Landes zur Gestaltung von zwei innerstädtischen Baulücken in der Hansestadt beteiligt. Die Jury hat einen ersten Preis für die Bruchstraße, ansonsten mehrere zweite und dritte Preise vergeben.

Stendal. Er hat das Zeug zum Hingucker – aber auch zum Objekt, an dem sich die Geister scheiden und reiben. Das Magdeburger Büro META architektur, dem die Jury als einzigem einen ersten Preis zugesprochen hat, will die Baulücke in der Bruchstraße 18 mit einem Gebäude füllen, das in der Stadt seinesgleichen suchen würde. Eine abgestufte, bis zu dreigeschossige Front mit etagenhohen, ungleichmäßig verteilten Fenstern, darüber ein Mansardgeschoss, das in der Höhe zum westlich anschließenden Nachbarhaus vermittelt, während das Gebäude nach Osten bis zur Höhe des dortigen Fachwerkhauses "herabsteigt".

Das Auffälligste allerdings ist die rote, senkrecht strukturierte Fassadenverkleidung. "Das sind gebrannte keramische Elemente, deren Farbigkeit sich auf die umgebende Backsteinarchitektur in Stendal bezieht", erläutert Sebastian Schulze von META architektur die dem Entwurf zugrunde liegende Idee.

Ob in der Bruchstraße tatsächlich so gebaut wird, wie sich die Architekten das vorstellen, hängt letztlich vom möglichen Bauherren ab. Petra Heise, Geschäftsführerin der Architektenkammer Sachsen-Anhalt, umreißt das Anliegen des Wettbewerbs so: "Vor der Jury lag keine einfache Aufgabe, denn die preisgekrönten Lösungen sollten für die Hansestadt Stendal angemessen, wirtschaftlich und nachhaltig sein. Daneben sollten sie vor allem attraktive Wohnungen bieten und potenzielle Investoren überzeugen, die Lücken zu bebauen."

Zehn Arbeiten von neun Büros hatte die Jury unter Vorsitz des Magdeburger Architekten Prof. Götz Grosche zu bewerten, als sie am Mittwoch dieser Woche in Stendal tagte. Für die Bruchstraße waren sechs Gestaltungsvorschläge eingegangen, für den zweiten Wettbewerbsstandort, die Ecke Brüderstraße/Wüste Worth, vier. Nur für die Bruchstraße kürte das Gremium, dem auch Oberbürgermeister Klaus Schmotz angehörte, einen eindeutigen Sieger. Ansonsten vergab sie zwei dritte Preise und für Brüderstraße/Wüste Worth zwei zweite und einen dritten Preis (siehe gelber Kasten).

Gefördert vom Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr, ist Stendal eine von sechs Städten Sachsen-Anhalts, die im Rahmen des Wettbewerbs "Mut zur Lücke" derzeit nach attraktiven Lösungen für innerstädtische Brachen suchen. Nach dem Willen der Veranstalter soll dabei vor allem jungen Architekten eine Chance geboten werden. Die Preise – einen auch an das hiesige Architekturbüro Stendal – vergab Minister Karl-Heinz Daehre gestern auf der Landes-Bau-Ausstellung in Magdeburg. Voraussichtlich vom 8. bis 29. März sind alle eingereichten Arbeiten im Stendaler Stadthaus zu sehen.