In der 88-Seelen-Gemeinde Schönfeld (bei Stendal) stehen zwei Kirchen. Eine Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert und die ehemalige Gutskirche (1885 fertiggestellt). Letztere ist dem Verfall Preis gegeben und steht seit über zehn Jahren zum Verkauf. Ein im August 2010 gegründeter Förderverein will die Backsteinkirche erhalten, jedoch nicht Eigentümer werden. Für Kirchenkreis und Kirchspiel kommt aber nur ein Verkauf in Frage. Axel Junker unterhielt sich mit Michael Kleemann, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Stendal, über die Zukunft der Schönfelder Gutskirche.

Volksstimme: Warum fanden bislang Kirchenkreis und Förderverein keine gemeinsame Lösung für die Schönfelder Kirche?

Michael Kleemann: Weil für uns nur ein Verkauf in Frage kommt, der Förderverein aber bis vor kurzem nicht Eigentümer werden wollte.

Volksstimme: Warum kommt für den Kirchenkreis nur ein Verkauf in Frage?

Kleemann: Wir haben in Schönfeld zwei Kirchen. Mitte der 90er Jahre wurde vom Kultusministerium eine Entscheidung gefordert, welche der beiden Kirchen noch genutzt und in welche investiert werden soll. Es wurde sich für die Feldsteinkirche entschieden. Daraufhin flossen auch Fördermittel in die kleine Kirche.

Volksstimme: Dem Förderverein "Freunde der Gutskirche Schönfeld" sind ebenfalls Fördermittel, unter anderem vom Land, in Aussicht gestellt worden.

Kleemann: Das finde ich schon merkwürdig, denn gerade das Kultusministerium hat ja vor Jahren die Entscheidung über die Förderung nur einer der beiden Kirchen gefordert. Dazu kommt: Wenn jetzt Fördermittel in die Gutskirche fließen, können diese ja nicht woanders eingesetzt werden. Und der Bedarf in unserem Kirchenkreis ist sehr hoch. Es würde sich dann die Frage stellen: Zu wessen Lasten erfolgt hier eine Förderung?

Volksstimme: Noch ist die ehemalige Gutskirche von Schönfeld ja im Besitz der Kirchengemeinde?

Kleemann: Seitdem ich im Kirchenkreis Stendal tätig bin, also seit über zwölf Jahren, suchen wir, Kirchenkreis und Kirchspiel, nach Nutzungsmöglichkeiten für die Gutskirche. Mittlerweile steht fest, dass es hier keine kirchliche Nutzung mehr geben wird. Deshalb wurde nicht nur über den Verkauf, sondern auch über den Abriss diskutiert. Denn auch ein nicht genutztes Gebäude verursacht erhebliche Kosten.

Wir als Kirchenkreis Stendal haben mit unseren insgesamt 246 Kirchengebäuden die größte Gebäudedichte bundesweit. Fast alle stehen unter Denkmalschutz. Im Durchschnitt teilen sich also bei uns 112 Kirchenmitglieder ein Kirchengebäude. Ein für Deutschland einmaliges Verhältnis. Über Verkauf und Abriss denken wir dennoch nicht leichtfertig nach. Wir haben eine hohe Verantwortung gegenüber unseren Kirchenbauten und nehmen diese auch wahr.

Volksstimme: Die ehemalige Schönfelder Gutskirche wurde seinerzeit von der Familie von Rundstedt als Patronatskirche errichtet. Warum befindet sie sich heute nicht mehr in Familienbesitz?

Kleemann: Das ist auch so eine tragische Geschichte. Nach dem Krieg fiel die Kirche aufgrund der Enteignung in die Hände des Staates. Der Rat des Kreises hat dann die Gutskirche, ohne zu fragen, in einem Verwaltungs- akt der Kirchengemeinde übertragen. Damit ist das derzeitige Eigentumsverhältnis auch ein Ergebnis der DDR-Willkür.

Volksstimme: Wie geht es jetzt weiter mit der Schönfelder Kirche?

Kleemann: Wir haben intensive Verhandlungen mit dem Förderverein geführt. Der Verein kann die Eigentumsrechte an der Kirche für einen Euro erwerben. Dann darf er dort frei schalten und walten. Über den Grundstückspreis werden wir uns auch einig. Kauft der Verein nicht, kann er an der Kirche auch keine Sicherungsarbeiten ausführen. Da lassen wir uns auch nicht vom Kultus-ministerium unter Druck setzen.

Volksstimme: Hat die ehemalige Gutskirche in Schönfeld eine Zukunft?

Kleemann: Wenn sich ein Käufer findet, der dazu noch ein passables Nutzungskonzept hat, dann natürlich. In der Zwischenzeit haben sich zwei Kauf-Interessenten für die Gutskirche gemeldet. Mit einem ist sogar eine Kooperation mit dem Förderverein im Gespräch. Und auch der Förderverein selbst, so ist mir zumindest mitgeteilt worden, denkt jetzt doch über einen möglichen Erwerb der Schönfelder Kirche nach, was durchaus in unserem Interesse läge.

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