13 Jahre lang war sie immer für andere da, jetzt hat Renate Porep ihre ehrenamtliche Mitarbeit bei der Opferhilfe des Weißen Rings beendet. Die grausamen Taten und Schicksale lassen sie bis heute nicht los. Aber sie weiß: Hilfe wie die des Weißen Rings wird immer nötig sein.

Stendal. Grausame Taten, verletzte Seelen und immerwährendes Leid waren 13 Jahre lang die Begleiter von Renate Porep. Erst als Mitglied, später als Außenstellenleiterin des Weißen Rings hat sie Opfern von Kriminalität und Straftaten geholfen – mit Beratung, Beistand, Begleitung zu Polizei und Gerichtsverhandlungen und viel Zuhören. Eine Zeit, die sie innerlich noch nicht loslassen kann, aber trotzdem für sich abgeschlossen hat. Im März 2010 hat Renate Porep (67) beim Weißen Ring aufgehört, ihre Nachfolgerin wurde vor Kurzem in ihr Ehrenamt eingeführt.

Wer beim Weißen Ring mitarbeiten will, muss sich eines klarmachen, betont Frau Porep: "Das ist kein Kaffeetrinken, sondern harte Arbeit." Und die wird nicht bezahlt. Wohl auch deshalb blieb es immer schwierig, ehrenamtliche Mitarbeiter, vor allem jüngere, zu finden. "Man muss ganz einfach Herz haben, mitfühlen können und es wollen." Man schaut in menschliche Abgründe, wird mit Gewalttaten konfrontiert, die man lieber nur aus dem Fernsehen kennen möchte.

Sexueller Missbrauch, Mord, Überfälle – daran zerbrechen nicht nur die Opfer, sondern auch deren Familien. Und dann noch die Bürokratie, Anträge auf Entschädigung, unzählige Gänge zum Gericht. Und nicht immer beweisen die Dienststellen, mit denen man zu tun hat, unbedingt Feingefühl. "Da ist es gut, wenn man jemanden zur Seite hat, der den Überblick behält", sagt Renate Porep. Sie hat das immer versucht: rational bleiben, kühlen Kopf bewahren, aber trotzdem Mitgefühl zeigen. Ohne zu bedrängen.

Sich mit Schicksalen anderer auseinanderzusetzen, das kannte Renate Porep schon vor ihrer Arbeit beim Weißen Ring. Bevor sie im April 2003 die Stendaler Außenstelle übernahm, war sie ein Jahr lang als Sozialarbeiterin bei der Polizei in Magdeburg beschäftigt. "Da habe ich den Leuten die Todesnachrichten überbracht", sagt sie und klingt dabei ganz nüchtern.

Dass die Geschichten, schlimmen Erfahrungen und all das Leid und Unrechte sie auch bewegen, kann man wohl vermuten. Wenngleich sie beim Erzählen ihre eigenen Empfindungen zurückstellt. In jeglicher Situation der ruhige Pol sein, Orientierung geben, zu Aktivität anstupsen und helfen. Das war Renate Poreps Mission. Aber ohne Empathie hätte sie diese Arbeit gar nicht machen können. Mit manchen Opfern hat sie jahrelang Kontakt gehabt. Bis endlich alle Gerichtstermine absolviert waren und schließlich auch noch eine Kur für das Ehepaar, das beinahe am Tod der Tochter zerbrochen wär.

"Ich selbst hatte nie Angst, ich hab das einfach alles gemacht." Auch in brenzligen Situationen, bei Begegnungen mit gewalttätigen Ehemännern, blieb sie besonnen. "Du machst es, weil du helfen willst", sagte sich Frau Porep dann. Ihre Devise: "Immer zuerst Frau und Kind schützen und dann sehen, was man machen kann." Aber Leichtsinn erlaubte sie sich nie. Ihr Handy hatte sie immer griffbereit. Und wenn sie wieder in die Wohnung einer fremden Familie ging, wartete ihr Mann im Auto.

Diese Anspannung fällt jetzt erst einmal von ihr ab. Zeit für sich selbst ist dran. Und in der will Renate Porep mit ihrem Mann die winterliche Ruhe Sylts und den eigenen Garten genießen, will nach englischen Zutaten und Spezialitäten Ausschau halten, auf Flohmärkten stöbern und ihre geliebten Rosamunde-Pilcher-Romane lesen. Und trotzdem, irgendwann will sie auch wieder etwas für andere tun. "Hilfe brauchen so viele."