Bei Demenzkranken gehen Nervenverbindungen im Gehirn verloren, zunehmend verschlechtert sich die Fähigkeit zur Kommunikation. Wie der Umgang für die Angehörigen trotzdem gut und verständnisvoll gelingen kann, wurde in einem Vortrag des Flechtwerks Demenz deutlich.

Stendal. "Es ist schwer. Man muss sehr viel Geduld haben." Juliane Hoffmann hat schon mit vielen Angehörigen von Demenzkranken gesprochen und kennt ihre Sorgen, Hemmungen und ihr Gefühl der Ratlosigkeit. Der Umgang mit den zu Pflegenden im Alltag, die Kommunikation mit ihnen ist anders als mit Gesunden. "Demenzerkrankte Menschen erleben die Welt zunehmend anders und haben Schwierigkeiten, ihren Bedürfnissen und Anliegen Ausdruck zu verleihen", so Hoffmann, Studentin an der Fachhochschule Stendal.

Wie das Miteinander trotzdem gut funktionieren kann, erklärte Juliane Hoffmann Ende voriger Woche in einem übersichtlichen, informativen Vortrag in der Stendaler AOK-Geschäftsstelle. Die Krankenkasse ist Partner des Flechtwerks Demenz und Anbieter von speziellen Schulungen für Pflegende.

Wer sich einem erschreckenden Phänomen widmet, dem kann man ruhig erst mal ein bisschen den Schrecken nehmen. Und so verwies Juliane Hoffmann auf neuere wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach Demenz keine normale, zwangsläufige Alterserscheinung ist, sondern eine Erkrankung. Eine aber, die Angst macht. Denn wenn Nervenzellen im Gehirn absterben, gehen wichtige geistige und körperliche Funktionen verloren. "Dementia" ist das lateinische Ursprungswort und bedeutet "ohne Geist, ohne Verstand".

Sprache, Denkvermögen, Orientierung, Lesen, Rechnen, Schreiben und das Verhalten – all das ist bei einer Demenz nicht mehr so, wie es mal war. Neben den bekannten Stimmungsveränderungen und Gedächtnisbeeinträchtigungen ist es vor allem die Abnahme der sprachlichen Fähigkeit, die Probleme aufwirft.

"Demenzkranken fehlen die Worte, sie sprechen Sätze oft nicht zu Ende, können komplexe Satzkonstruktionen und Inhalte nicht erfassen", beschreibt Hoffmann. Der Tipp der Fachleute lautet daher: In einfachen, kurzen Sätzen sprechen (aber keine Babysprache!) und das Gesprochene durch Gestik und Mimik unterstreichen. Blickkontakt halten und Ablenkung durch Fernseher oder Radio vermeiden. "Machen Sie Ihrem Gegenüber Beziehungsangebote, legen Sie ihm die Hand hin, so dass er sie berühren kann, wenn er mag", empfiehlt die Referentin. Statt negativer Reizwörter wie Tod, Arzt oder Pflegeheim sollten positive Schlüsselwörter verwendet werden, die schöne Erinnerungen an früher wachrufen. "Beziehen Sie den Demenzkranken in Alltagstätigkeiten ein und seien Sie gemeinsam kreativ."

Zur Vertiefung dieser Ratschläge bietet das Flechtwerk in Kooperation mit der AOK Einzel- oder Gruppenschulungen an. Näheres dazu unter Tel. (0 39 31) 21 87 48 95 oder www.flechtwerk-demenz.de.

Demenz ist übrigens nicht gleichzusetzen mit Alzheimer, Letzteres sei eine Untergruppe vieler verschiedener Demenzarten, trete aber mit 60 Prozent der Fälle am häufigsten auf. Und Demenz wiederum sei nicht gleichzusetzen mit Altersvergesslichkeit, bei der immer noch logisches Denkvermögen vorhanden sei. In Deutschland gibt es etwa eine Million Demenzkranke.