Rathaus und Marienkirche bilden das berühmteste Bauensemble der Hansestadt. Doch irgendetwas stört seit Monaten den schönen Anblick: Es sind die Rathaustüren.

Von Reinhard Opitz

Stendal. Wer hätte gedacht, dass der Neuanstrich von drei Türen so viel Zeit in Anspruch nimmt? Schon Anfang November vergangenen Jahres, also vor gut einem Vierteljahr, hatte die Volksstimme einen Maler dabei beobachtet, wie er der Haupttür ins Stendaler Rathaus am Marktplatz einen neuen Anstrich verpasste. Das heißt: Er brachte die weiße Grundierungsfarbe auf. Und dabei ist es bis heute geblieben. Sowohl das Hauptportal als auch die Renaissancetür zwischen Schwibbogen und Gerichtslaube und die Tür zum Innenhof machen einen sehr rohen, unfertigen Eindruck und warten auf ihren endgültigen Anstrich.

Es sei auch noch ein wenig Geduld notwendig, hieß es auf Anfrage der Volksstimme aus dem Rathaus. Die Stadt sei "in konstruktiven und guten Gesprächen mit den Denkmalschutzbehörden", teilte Sprecherin Sybille Stegemann mit, "um durch einen Teilbauantrag die Rathaustüren auszulösen".

Will heißen: Damit die Türen frisch gestrichen werden dürfen, müssen sie per Teilbauantrag aus dem Gesamtdenkmal Rathaus herausgelöst werden. Zurzeit wird der gesamte Rathaus-Komplex im Rahmen einer Masterarbeit der Hochschule Anhalt/Dessau denkmalpflegerisch bewertet.

Woran es jetzt hängt und warum überhaupt eine Teilbaugenehmigung für das alle paar Jahre praktizierte Streichen von einigen Türen notwendig ist, wollte die Volksstimme von der oberen Denkmalschutzbehörde wissen, die am Landesverwaltungsamt angesiedelt ist. Eine Antwort konnte das Amt allerdings auch zwei Tage nach unserer Anfrage noch nicht geben. Der Fall werde noch geprüft, hieß es gestern.

Der Rathauskomplex gehört neben den Kirchen und den zwei Stadttoren zu den bedeutendsten Einzeldenkmalen der Hansestadt Stendal. Schon 1188 wird an dieser Stelle des Marktplatzes ein Kaufhaus erwähnt, kann man im erst kürzlich von der Tourist-Information herausgegebenen neuen Stadtporträt erfahren. Im 15. Jahrhundert wurden die noch heute erhaltenen Bauteile Gerichtslaube, Gewandhaus sowie Rats- und Corpsflügel mit den beiden stolzen Backstein-Staffelgiebeln an der Marienkirchstraße gebaut. Die spätgotische Schnitzwand im kleinen Ratssaal entstand 1462. Seine zum Markt hin vorherrschende Renaissance-Form erhielt das Rathaus um 1600 sowie im 19. Jahrhundert.