Der Kreuzgarten des Domstifts soll bald aus dem Winterschlaf erwachen. Die nächsten Schritte für die Wiedererrichtung des Westflügels wurden gestern von Stadtgemeinde und Architektenteam vorgestellt.

Stendal. Die Mauer an der Westseite des Dom-Kreuzgartens ist bereits im Dezember gefallen, nun müssen auch fünf Bäume dran glauben. Sie werden gefällt, damit Archäologen und Architekten Platz für Voruntersuchungen und schließlich den Bau selbst haben. Nur die stattliche Linde in der Mitte des Gartens wird stehenbleiben. "Wir graben, um zu sehen, wo genau die Fundamente des Westflügels liegen, was noch vorhanden und verwendbar ist und wo wir Verbindungspunkte zum Neubau setzen können", erklärte Architekt Gerhard Schlotter vom Büro für Architektur, Städtebau und Denkmalpflege (BASD) aus Berlin, der das Projekt mit seinem Kollegen Erk Meinertz betreut.

Die Grabungen sollen beginnen, sobald der Frühling in Sicht ist. Man rechne mit Funden verschiedenster Art, so Schlotter: "Wir gehen davon aus, dass außer den Fundamenten des zerbombten Westflügels auch Gräber des alten Friedhofs gefunden werden. Und es ist wohl auch mit Fundmunition zu rechnen."

Aber nicht das Gebäude allein – mit dessen Bau voraussichtlich im Sommer begonnen wird – ist bei dem kommenden Bauabschnitt von Bedeutung. Auch dem Kreuzgarten selbst wird Aufmerksamkeit geschenkt, er wird in gartendenkmalpflegerisch kundige Hände gelegt: Landschaftsarchitektin Katrin Lesser aus Berlin wird ihn gestalten, was in "eher schlichter Form" passieren soll. "Wir orientieren uns an Fotos vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Auffallend dabei ist ein umlaufender Weg im Kreuzgarten, der aus einem Plattenverbund und parallelem Kiesweg besteht." Dieser quadratische Verlauf soll in Harmonie mit dem künftigen Grundriss des Gebäudekomplexes wiederhergestellt werden.

Wie genau der wiedererrichtete Westflügel (Kosten: 1,5 Millionen Euro) nach den neuen Entwürfen aussehen soll, wolle man noch nicht detailliert bekanntgeben. Das Büro von Schlotter sei nach "einvernehmlicher Trennung" vom Vorgänger-Architekten mitten in ein laufendes Projekt eingestiegen, sagte Detlef Frobel vom Gemeindekirchenrat. Nun gehe es erst einmal vorrangig darum, "das Gebäude genehmigungsfähig zu machen". Fest stehe, dass der Neubau nach wie vor zweigeschossig sein soll und voraussichtlich eine Ziegelfassade bekomme. "Die Ausdehnung Richtung Westen bleibt wie geplant", ergänzte Pfarrer Joachim Kähler, "die Richtung Osten ist aber noch in der Diskussion."

Feine Verzahnung

Auf jeden Fall wird der Kreuzgarten, so wie man ihn seit den Jahrzehnten nach dem Krieg kennt, an Fläche verlieren. Und, so Architekt Schlotter, es wird "eine Überlagerung zwischen Neubau und Geometrie der Gartengestaltung geben". Das Gebäude rutscht wegen des heutigen Straßenverlaufs Richtung Kreuzgarten. Aber die Architekten wollen Alt und Neu, Gebäude und Garten "so fein es geht, miteinander verzahnen".

Für das Architektenbüro BASD ist das Stendaler Vorhaben nicht der einzige, aber einer seiner wenigen betreuten Sakralbauten. Zuletzt waren die Berliner Architekten mit dem Bau der Residenz für den holländischen Botschafter in der Bundeshauptstadt beauftragt.

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