In Tangermündes Sekundarschule Hinrich Brunsberg gibt es ein Novum. Seit wenigen Tagen steht den Schülerinnen und Schülern ein riesiger Musiksaal zur Verfügung. Im Keller des Hauses war er in den vergangenen Wochen entstanden. Jetzt erleben die Mädchen und Jungen Musikerziehung wie an kaum einer anderen Schule.

Tangermünde. Auf diesen Augenblick hatte Andreas Dertz lange gewartet. Anlässlich der 1000-Jahr-Feier der Burg Tangermünde hatte der Musiklehrer sein Tangermünde-Lied geschrieben. Immer wieder wird es seit 2009 in der Schule gesungen. Doch über die Grenzen der Stadt hinaus hat es das Lied noch nie geschafft.

Vergangenen Freitag trommelte Dertz den Schulchor zusammen, warf den Lied-Text mit dem Polylux an die Wand und hing sich die Gitarre um. Kerstin Kinszorra, freie Mitarbeiterin des MDR-Hörfunks, drückte auf die Aufnahmetaste ihres Rekorders, und die Schüler präsentierten zusammen mit ihrem Lehrer das Jubiläums-Stück. "Das ist unsere Chance, das Lied ins Radio zu bringen", freute sich Dertz. Zu seinen Schülern gewandt, sagte er: "Lauter ist nicht besser, singt so wie immer."

Auch wenn sich der Polylux zwischendurch zweimal selbständig aus- und wieder anschaltete, klappte alles wunderbar. Der Musiklehrer war zufrieden mit seinen Eleven.

Anlass für den Pressetermin im Keller der Sekundarschule war das Ende des ersten Abschnitts von Bauarbeiten im Haus. Im Dezember war damit begonnen worden, zwei ehemalige Kellerräume in einen Musiksaal zu verwandeln. Eine neue Decke war eingezogen worden. Blauer Teppich liegt auf dem Fußboden. Die Wände sind gelb gestrichen, die Fenster mit blickdichter, lichtdurchlässiger Folie beklebt. Das neue Reich von Andreas Dertz lässt keine Wünsche mehr offen.

Ein Teil des neuen Domizils ist ein herkömmlicher Klassenraum mit Tafeln, Tischen und Stühlen. Ein breiter Wanddurchbruch macht den Weg frei in den benachbarten Raum. Hier haben die Instrumente der Schule ihren Platz bekommen. Jede Menge Keyboards sind hier systematisch angeordnet. In einer Ecke des Raumes steht ein komplettes Schlagzeug, umringt von anderen Rhythmusinstrumenten. An zwei Wänden hängen Gitarren.

"Das ist unsere Chance, das Lied ins Radio zu bringen"

Nichts muss jetzt noch mühevoll verstaut oder zur Seite geräumt werden, um für anderen Unterricht Platz zu machen. Das Reich im Keller ist einzig und allein der Musik vorbehalten.

Seine Arbeitsmethode rief Andreas Dertz den Schülern zu Beginn der Stunde noch einmal ins Gedächtnis zurück: "Ihr erinnert euch – 15 Minuten singen, 15 Minuten Musiktheorie und 15 Minuten Praxis."

Für den praktischen Teil des Unterrichts stehen den Sekundarschülern Arbeitsmittel wie kaum an einer anderen Schule zur Verfügung. Der Grund: Andreas Dertz ist Mitglied einer Arbeitsgruppe im Land Sachsen-Anhalt, die sich mit der musikalischen Bildung beschäftigt. Seit 2007 ist die Brunsbergschule Projektschule innerhalb des Landesschulversuchs Musikalische Allgemeinbildung. Erstes Ergebnis: "Nach zwei Jahren Arbeit sind unsere Schüler in der Lage, Töne, die sie auf einem Notenblatt sehen, selbständig auf der Keyboardtastatur zu finden", berichtete Dertz. Mit einer anderen Schülergruppe habe er gerade das Gitarrenspiel begonnen. Im Rahmen dieses Projekts entwickelt Andreas Dertz Notenhefte, mit denen künftig auch an allen anderen Schulen im Land im Musikunterricht gearbeitet werden könnte.

Während die Arbeiten im Keller abgeschlossen sind, geht es direkt im Obergeschoss weiter. Hier entsteht das, was den Auslöser für all die Umbauarbeiten gegeben hatte: der neue Hauswirtschaftsraum. Im ehemaligen Musikraum bekommt er seinen Standort. Direkt unter dem Dach deshalb, weil so die kostenintensive Abluftanlage vom Keller bis zum Dach entfällt. Unter modernsten Bedingungen werden die Sekundarschüler in wenigen Wochen ihren Hauswirtschaftsunterricht erleben. "Jetzt dauert es nicht mehr lange", berichtet Peter Nowak, stellvertretender Schulleiter. Ende März komme die Küche. Ist die installiert, sind anderthalb Jahre nur theoretischer Hauswirtschaftsunterricht Geschichte. Dann sind wieder Kochen, Backen und praktisches Wirtschaften möglich.

Der Raum im Keller konnte nach einem Abwasserrückstau nicht mehr genutzt werden. Erst mit finanzieller Unterstützung der Kreissparkasse Stendal war es möglich, eine Lösung zu schaffen. Vorstandsvorsitzender Dieter Burmeister und Landrat Jörg Hellmuth hatten sich im September vergangenen Jahres selbst ein Bild davon gemacht, was hier getan werden muss.

Im Übrigen strahlt der MDR Hörfunk heute um 9.30 Uhr den Musiksaal-Beitrag und das Lied zur 1000-Jahr-Feier aus. Zu finden ist der Sender in der Altmark auf der Frequenz 94,9.