Mit großem Theaterdonner und heftigem Applaus seiner Kollegen ist gestern Bühnentechniker Wolfgang Lawrenz auf der großen Bühne im Theater der Altmark gefeiert worden. Der 63-Jährige ist seit 45 Jahren im TdA tätig und damit der dienstälteste Mitarbeiter des Hauses.

Stendal. Vergangenes Silvester saß er zum ersten Mal in diesen viereinhalb Jahrzehnten mit seiner Frau als Zuschauer im Theater. "Sonst hab‘ ich ja immer Dienst gehabt", sagt Wolfgang Lawrenz. Doch das wird sich demnächst ändern. Am 1. Mai geht der 63-Jährige in den Ruhestand. Und dann, das hat er sich fest vorgenommen, wird er sich die Inszenierungen im Theater der Altmark so oft es geht ansehen – nicht aus der Position des Bühnentechnikers, sondern des ganz normalen Besuchers.

Einen anderen Positionswechsel durfte er gestern durchspielen. Mit heftigem Theaterdonner aus den Lautsprechern und stehenden Ovationen seiner Kolleginnen und Kollegen ist Wolfgang Lawrenz, für ihn völlig überraschend, für ein paar Minuten als Hauptdarsteller auf die Bühne des großen Hauses zitiert worden. Intendant und Chefdramaturg und viele andere gratulierten dem sichtlich bewegten Lawrenz zu seinem 45-jährigen Dienstjubiläum. "Keiner von uns anderen kennt dieses Haus wie Sie seit 45 Jahren", wies Intendant Dirk Löschner auf den Superlativ hin, der ausschließlich Wolfgang Lawrenz eigen ist. Und einem Intendanten namens Kurt-Rüdiger Domizlaff, der damals im Jahr 1966 Löschners Position inne hatte, hat auch kein anderer der heutigen TdA-Mitarbeiter gegenüber gestanden.

"Es war eine schöne Zeit, sowohl vor der Wende als auch danach", sagt der gelernte Schlosser und muss schlucken. Er gehe ungern, aber die Gesundheit lasse es nicht mehr zu, dass er sich noch länger mit dem Auf- und Abbau von Kulissen und Bühnentechnik befasst. Dirk Löschner weiß um die physischen Herausforderungen dieses Berufs. "Ich möchte gar nicht ausrechnen, was Sie im Laufe dieser Zeit alles auf dem Buckel getragen haben", sagt er.

Dabei führte der berufliche Weg den damals 18-jährigen Wolfgang Lawrenz durchaus nicht geradlinig ins Theater. Heute kann er ja offen darüber reden: "Ich wollte raus aus der DDR und hab‘s auch mal versucht. Dafür kam ich ein Jahr in Haft." Sein Bruder, der am Theater tätig war, nahm den gelernten Schlosser danach mit in die Karlstraße. "Ich wollte aber nicht lange bleiben. Mein Ziel war Schwarze Pumpe, ein bisschen Abenteuer erleben", erinnert sich Lawrenz. Doch dann blieb er. Bis heute. Und sagt jetzt mit feuchten Augen: "Ich bereue keine Stunde."

Zu den schönsten Produktionen, an denen er im Laufe der viereinhalb Jahrzehnte am Theater der Altmark beteiligt war, zählt er die Faust-Inszenierung des ersten Nachwende-Intendanten Erdmut August 1991 in der Marienkirche. "Die Akustik, die ganze Atmosphäre ... So etwas gab es nicht noch mal."

Wolfgang Lawrenz, der bisher wenig Zeit für Privates hatte und häufig auf Abstechern unterwegs war, freut sich nun auf Frau, Kinder und Enkel. Und auf ein nicht ganz alltägliches Hobby, dem er am liebsten in Dänemark frönt: der Hochseefischerei.