Graffiti in Stendal sind preiswürdig. Die Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis hat dem Stendaler Projekt "Weg das Grau" am Sonnabend den 2. Preis im landesweiten Freistil-Jugendwettbewerb zuerkannt. Die 13 Kinder und Jugendlichen bringen in Abstimmung mit der Stadtverwaltung Farbe ins Stadtbild, indem sie graue Stromkästen bemalen.

Stendal. Das erste Produkt der Graffiti-Künstler steht an der Stadtseeallee. Einen mannshohen Stomkasten, bis dahin grau und unansehnlich, haben sie im Herbst vergangenen Jahres in einen Hingucker in strahlenden Farben verwandelt: das rote Stendaler Stadtsignet, darunter die turmreiche Silhouette der Hansestadt, lässt Passanten innehalten. "Schon als die Kinder am Sprühen waren, blieben die Leute stehen und lobten: Das sieht ja toll aus", blickt Kathrin Musold auf die positive Resonanz der Stendaler zurück.

Die Streetworkerin hatte die Stromkasten-Idee von Tiefbauamtsleiter Rainer Burmeister – aus Grau mach Bunt – im August 2010 in die Kinder- und Jugendgruppe im Jugenclub "Eckstein" getragen. Dort nahmen sich zwei im Club tätige Erwachsene, André Birkholz und Eileen Baucke, der Sache an und entfachten die Begeisterung der Kinder und Jugendlichen. Gemeinsam wurden Motive entworfen und die verschiedenen Techniken des Sprühens geübt. Das Projekt, das zunächst als "Graffiti in the City" firmierte, nennt sich seit der Gestaltung des ersten Schaltgehäuses an der Stadtseeallee "Weg das Grau".

Dass sie sich damit schon einen Preis verdient hätte, glaubte die Gruppe nicht wirklich, als Kathrin Musold die Bewerbung für den Jugendengagementwettbewerb "Freistil" einreichte. Doch die jungen Leute aus Stadtsee haben es geschafft. Am Sonnabend wurden sie auf einer großen Auszeichnungsveranstaltung mit Sachsen-Anhalts Sozialminister Norbert Bischoff in Magdeburg mit einem von zwei zweiten Preisen und einem Preisgeld von 800 Euro geehrt. Sie hätten ihre eigenen Ideen und Fähigkeiten eingebracht, "um ihre Stadt ansprechender und farbenfroher zu gestalten", begründete die Jury ihre Entscheidung für die 13-köpfige Gruppe im Alter von 12 bis 27 Jahren.

"Unter 96 eingereichten Projekten ein zweiter Platz! Alle haben sich wahnsinnig gefreut", erzählte Kathrin Musold gestern der Volksstimme. Auf jeden Fall werde das Projekt in diesem Jahr weitergeführt. Die Stadt habe weitere graue Schaltkästen in Aussicht gestellt. Über die Gestaltung eines größeren Trafohäuschens gleich in der Nähe des Eckstein-Clubs ist die Streetworkerin mit den Stadtwerken im Gespräch.

Doch erst einmal wird gefeiert. Mit einem Teil des Preisgeldes wird ein Frühlingsgrillfest auf die Beine gestellt.

Auch der 6. Freistil-Preis mit 300 Euro ging nach Stendal – an den Schreibzirkel des Winckelmann-Gymnasiums, der bereits drei Bücher veröffent-lichte.

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