In der Fortsetzung des Prozesses um Drogenhandel im großen Stil durch zwei Männer und eine Frau aus Stendal spielte am Freitag vor dem Landgericht Stendal die bisherige Berichterstattung der Volksstimme dazu eine Rolle.

Stendal. Welche Rolle, das wurde allerdings nicht so ganz klar. Rechtsanwalt Alexander Funck aus Berlin – er vertritt den Hauptangeklagten Wladislaw K. (21, Spitzname "Pupsi") – hatte den Antrag bei der Jugendkammer gestellt, die bislang erschienenen Volksstimme-Berichte zu verlesen. Das tat der Vorsitzende Richter Ulrich Galler denn auch. Welchem Zweck diese Lesung dann dienen soll, ließ der Verteidiger jedoch offen.

Auch Oberstaatsanwältin Ramona Schlüter blieb der Sinn verborgen. Handelte es sich doch ihrer Meinung nach um eine Berichterstattung über einen öffentlichen Prozess, dem jedermann als Zuschauer beiwohnen könne.

Fünf Zeugen, allesamt selbst rechtskräftig wegen Drogenhandel oder Beihilfe dazu verurteilt, waren am Freitag geladen, um auszusagen. Ein Stendaler (27), am 8. Februar zu einer 14-monatigen Bewährungshaftstrafe verurteilt, blieb der Verhandlung unentschuldigt fern. Er soll nun am Montag von der Polizei, die ihn gestern nicht in seiner Wohnung auffinden konnte, vorgeführt werden.

Eine 32-Jährige aus Stendal sagte aus, dass ihr die Angeklagte Monique R. in einer Tüte "etwas Rundliches" zur Aufbewahrung gegeben habe, mit der Bemerkung, "da ist was zum Schniefen drin". Ein 25-jähriger Mann aus Rathenow gab als Zeuge an, dass er von "Pupsi" Drogen bezogen hat. Zum einen, um sie selbst zu konsumieren, und zum anderen, um sie weiterzuverkaufen. Seine Außenstände bei "Pupsi" beliefen sich auf über 4000 Euro. Und die habe dieser im März 2009 bei ihm eintreiben wollen. Dazu wäre der Angeklagte mit zwei Unbekannten in seine Wohnung gekommen.

Einer der beiden hätte ihm einen Faustschlag in den Magen versetzt, so dass er zu Boden gegangen sei, so der Zeuge. "Wir kommen morgen und holen das Geld", hätte der unbekannte Schläger gedroht. Weil er aber die 4000 Euro nicht habe auftreiben können, habe er sich "unerreichbar gemacht".

Doch "Pupsi" und drei Kumpanen hätten ihn in seinem Versteck in Havelberg aufgespürt und mit dem Auto verschleppt. Darin soll es abwechselnd "Fragen und Schläge" von den unbekannten Kumpanen gegeben haben. Schließlich sei er freigelassen worden.

Am Montag sind weitere Zeugen geladen und es wird das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen erwartet. Das Urteil ist für den 28. März avisiert.