Im wieder erstehenden Wagen Nummer 4 der Neuen Stendaler Straßenbahn-Aktiengesellschaft kann man bereits Platz nehmen. Die passionierten Wagenbauer um Peter Krupp vom Husaren-Traditionsverein und Michael Trösken haben das Wageninnere inzwischen mit drei von zwölf geplanten hölzernen Sitzen ausgestattet. Sie haben eine Vision: Künftig soll der Pferdebahnwaggon gummibereift von Pferden durch Stendal gezogen werden.

Stendal. 2013, wenn der 200. Gründungstag des Husarenregiments gefeiert wird, würde Peter Krupp den eleganten grünen Wagen, gezogen von zwei Pferden, gern durch die Hansestadt rollen sehen. Auf den 12 Sitz- und 16-Stehplätzen des Waggons, exakt nach historischem Vorbild auf dem Grundgerüst des vor Jahren entdeckten Originalwagens aufgebaut, stellt er sich Stendaler und Touristen bei Stadtrundfahrten, Hochzeits- und sonstigen Feiergesellschaften vor. "Vielleicht werden wir auch regelmäßige Fahrten zwischen Bahnhof und Marktplatz anbieten", überlegt er.

Doch ganz so weit ist es noch nicht, auch wenn der grüne Wagentorso, der zurzeit in einer Halle des städtischen Bauhofs steht, schon sehr eindrucksvoll aussieht. Das Mittelstück, also der Fahrgastraum, ist nahezu fertig: Die Fenster samt Riemenzugvorrichtung sind eingebaut, der Innenraum ist hölzern ausgeschlagen, die Lüftungsklappen im Deckenbereich lassen sich wie einst öffnen und schließen.

Auch die ersten drei Holzsitze sind bereits benutzbar. Sie wurden für 250 Euro pro Stück "verkauft", das heißt: gesponsert. Auf gleiche Weise wollen die Husaren die resten neun Sitzplätze finanzieren. Wer Interesse hat, melde sich bei Peter Krupp, Telefon 01 51-11 34 95 01. Die Namen der Sponsoren werden auf kleinen Schildchen verewigt.

Zwar wird der Waggon Nummer 4 ein Fahrgestell wie einst bekommen, doch das dient mehr der historischen Optik, denn an Gleisen mangelt es in Stendals Straßen. Deshalb soll dem Wagen zusätzlich ein gummibereifter Radsatz für den Betrieb auf dem Straßenpflaster untergeschraubt werden.

Den sechs Meter langen stählernen Rahmen für das Fahrgestell hat die Firma Rosier gebaut und bezahlt. Dafür erhält sie dauerhaft einen Werbeschriftzug an einer der beiden großen Seitenflächen des Wagens. Die andere Seite ist für die Kreissparkasse reserviert, die sich ebenfalls mit einem größeren Geldbetrag an der Wiedergeburt der Stendaler Pferdebahn beteiligt hat. Wie in alter Zeit wird "Hauptsparkasse der Altmark" am Wagen zu lesen sein.

Darüber hinaus soll die neue Stendaler Pferdebahn wie ihr historisches Vorbild, das von 1892 bis 1926 durch die Straßen der Stadt fuhr, durch kleinere Werbeschilder auf dem Dach Geld einspielen. "Verwendet werden aber nur Firmennamen, die damals, als die Pferdebahn fuhr, existierten", sagt Michael Trösken. "Als Pendant wird ein Schild mit dem heutigen Firmennamen im Innenraum angebracht." Ein Beispiel: Die Firma Zorn Instruments, die bereits Werbung zugesagt hat, lässt nach außen die Geldschrankfabrik W. Schliesser, die dem Großvater des heutigen Firmeninhabers Bernd Zorn gehörte, wieder aufleben. Kostenpunkt: 100 Euro pro Jahr.

Zudem wird der Olivenbaum demnächst die Weinmarke "Stendaler Pferdebahn" vertreiben. Pro verkaufter Flasche, an der ein kleiner Fahrplan von 1921 hängt, geht ein Teilbetrag an den Husarenverein. Ein weiteres Projekt, erzählt Peter Krupp, ist ein Husarenbrot nach dem Vorbild des einstigen Kommissbrots.

 

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