Sich von einer echten Schriftstellerin etwas übers Bücherschreiben erzählen lassen, eigene Geschichten aufschreiben, diese illustrieren und das alles am Ende zu einem Buch zusammenstellen: Könnte Deutschunterricht spannender sein? Die vierten Klassen der Bilingualen Grundschule erleben das gerade mit der Arneburger Autorin Karen Galster.

Stendal. Anne Christin Kothe haben es die Glibber angetan. Diese klebrig-grünlichen Wabbelwesen hat sie zu wichtigen Akteuren ihrer Geschichte erkoren: "Die lustigsten Weltreisen der Glibberfreunde". Da reisen Leute zum Beispiel nach Glibberstadt, wo die Glibber in Familienverbänden leben, sich von Glibber ernähren und ab und zu das Glibbermuseum besuchen. Die Globetrotter reisen nicht etwa mit der Bahn oder dem Flugzeug, sondern reiten auf den Meerschweinchen Mäxchen und Lotte durch die Welt.

Weniger skurril, sondern eher spannend geht es in dem Krimi von Marius Lukas Schmidt, Timon Böttcher und Fritz Ferdinand Fischer zu. Die drei Jungs haben sich zusammengetan, um gemeinsam eine Geschichte von Bankräubern zu Papier zu bringen. Fünf Einbrüche lassen sie sie begehen, dann schnappt die Polizeifalle zu.

Ob das Bücherschreiben Spaß macht, wollen wir gestern bei einer Stippvisite im gemeinsamen Deutschunterricht der drei vierten Klassen wissen. "Eigentlich schon", sagt Marius Lukas und fügt hinzu: "Solange man sich nicht streitet." Die Arneburger Kinderbuchautorin Karen Galster und die Deutschlehrerinnen Heidemarie Lüder, Bettina Berg und Cordula Merkel liefern keinerlei Gründe zum Streiten.

Im Gegenteil. Ein Buch von Kindern für Kinder – das ist die Aufgabe, die sich über mehrere Wochen erstreckt. Karen Galster vermittelt den Grundschülern, wie ein Buch entsteht, gibt Anregungen zum Geschichtenschreiben, gibt auf Wunsch einen Anfangsfaden vor, den die Schüler weiterspinnen können, stachelt ihre Phantasie an.

Ob zu zweit, zu dritt oder allein – die Kinder können sich aussuchen, wie sie ihre Geschichte oder ihr Gedicht verfassen wollen. Illustriert wird sie natürlich auch eigenhändig. Korrektur lesen, über Schreibfehler und falsche Ausdrucksweisen diskutieren, einen Buchumschlag entwerfen, die fertigen Seiten binden ... So ein Buch macht schon eine Menge Arbeit.

Und man lernt so ganz nebenbei allerhand. "Dahinter steckt ja die Idee, nicht alles, wie sonst üblich, nur mit dem Lehrer zu erarbeiten", sagt Heidemarie Lüder. So trainieren die Schüler auf sehr praktische Weise sowohl Rechtschreibung und Grammatik als auch das Lesen, und ihrer Phantasie wird freier Lauf gelassen.

Wenn die Viertklässler im Sommer ihre Grundschule verlassen, bekommt jeder sein persönliches Buchexemplar als ewige Erinnerung mit auf den weiteren Weg. Bis dahin werden sie sich auch auf das geeinigt haben, was heute noch fehlt: einen Titel für die Geschichtensammlung von Kindern für Kinder.