Der Kreisverband der FDP hat einen neuen Vorstand. Während des Kreisparteitages am Sonnabend wurde das siebenköpfige Gremium, an dessen Spitze weiterhin der Stendaler Marcus Faber steht, gewählt. Ungetrübt war die Freude der Liberalen darüber jedoch nicht. Das miserable Abschneiden bei den Landtagswahlen vor einer Woche steckte ihnen noch in den Knochen und bot jede Menge Diskussionsstoff.

Stendal. Ein herber Schock, ein K.-o.-Schlag. So kommentierte Jens Ackermann das Magdeburger Wahldesaster seiner Partei vom 20. März. Das FDP-Bundestagsmitglied aus dem Bördekreis war ebenso wie Landesgeschäftsführer Andreas Schnurpel Gast des Stendaler Kreisparteitags und um Ursachenforschung bemüht. "Was uns das Genick gebrochen hat ist, dass wir unseren klaren politischen Kompass verloren haben", schoss Ackermann in Richtung Bundespartei, sprach die sachsen-anhaltische FDP jedoch keinenswegs von (Wahlkampf)-Fehlern frei.

Kritik an Vorsitzendem und Kandidaten

Von den Liberalen besetzte Themen seien auch die anderer Parteien gewesen. Es fehle das Alleinstellungsmerkmal. "Die Zeichen stehen auf Neuanfang, auch personell", empfahl er der Landes-FDP. Jetzt, wo die CDU im Land immer mehr nach links, also in Richtung SPD rücke, brauche es die FDP als Korrektiv.

Für diese Aufgabe sieht Marcus Faber zumindest den FDP-Kreisverband nicht schlecht aufgestellt. Die Arbeit der vergangenen beiden Jahre sei gut und die Mitgliederzahl mit knapp 70 unter dem Strich stabil. Auch wenn sie im Laufe des Jahres 2009 auf fast 80 angewachsen und es danach nicht gelungen war, Verluste durch Neuaufnahmen abzufangen. Für Faber kein Grund zur Resignation: "Ich falle hier nicht in Sack und Asche. Mein Anspruch ist es, in den kommenden zwei Jahren Mitglieder zu gewinnen. Und ich sehe nicht, warum das nicht gelingen sollte."

Dem widersprach Arno Bausemer (jun.) aus Hohengöhren, unterstellte Faber, "Probleme mit der Wahrheit" zu haben, wenn er den offenkundigen Rückgang der Mitgliederzahlen als Stabilität hinstelle. Austritte aus seiner Region seien auch der Arbeit des Kreisvorstandes geschuldet. Nicht die einzige Kritik des Hohengöhreners. "Man kann sich nicht als Kandidat aufstellen lassen und dann keinen Wahlkampf machen", hielt er Dr. Michael Kühn vor, der im Landtags-Wahlkreis 3 (Havelberg-Osterburg) für die FDP angetreten war. Beides wurde von Faber umgehend zurückgewiesen.

Für Manfred Schulz, der den Kreisparteitag leitete, der Moment, einzuschreiten. Es sei gut, so engagierte Mitglieder in den Reihen des Kreisverbandes zu wissen, aber schlecht, wenn sie sich auf den falschen Schlachtfelder schlügen. "Innerparteiliche Querelen helfen uns nicht weiter. Man muss dann auch mal bereit sein, einen Schlussstrich zu ziehen."

Nach vorn wollte Ludolf von Engelbrechten-Ilow die Diskussion gerichtet wissen. "Die CDU gibt viele Positionen auf, die wir besetzen können", so der Lüderitzer, der konkretisierte: "Wir sind ein landwirtschaftlich geprägtes Gebiet, könnten also durchaus auch landwirtschaftliche Themen besetzen."

Das und mehr will Arnold Bausemer (sen.), einer der vier liberalen Kreistagsabgeordneten, tun. "Ich habe bisher den Finger in wunde Stellen gelegt, und das werde ich auch weiterhin tun." Er ist optimistisch, was die Entwicklung seiner Partei betrifft. "Ich habe schon viele Tiefs erlebt, und ich weiß: Nach jedem Tief kommt auch wieder ein Hoch".

Sieben Mitglieder führen den Verband

Auf ein solches will der FDP-Kreisverband mit seinem am Sonnabend gewählten Kreisvorstand zusteuern. An der Spitze steht Marcus Faber, den elf der 14 stimmberechtigen Kreisparteitagsteilnehmer wiederwählten. Das gleiche Wahlergebnis fuhr sein erster Stellvertreter, Dr. Michael Kühn, ein. Zum zweiten Stellvertreter wurde Mathias Fritze gewählt. Er erhielt neun Stimmen. Fünf gingen an seinen Mitbewerber Arnold Bausemer (sen.), der damit nicht gewählt war und in der Folge als Kandidat für einen der vier möglichen Beisitzer im Kreisvorstand vorgeschlagen wurde. Auch dort reichten sieben Stimmen nicht zur Wahl. Neuer und alter Schatzmeister der FDP im Landkreis ist Matthias Siegmanski (13 Stimmen). Zu Beisitzern wurden Astrid Bleißner, Angela Basner und Wilfried Nahrstedt gewählt.