Das Wetter machte der Veranstaltung rund ums Tangerhütter Neue Schloss am Sonntagnachmittag alle Ehre: Zum "Frühlingserwachen" kamen deshalb Hunderte von Gästen aus der Region, aber auch von weiter weg. Zur ersten Parkführung des Jahres startete Ortsbürgermeister Gerhard Borstell daher auch mit einer Rekordtruppe: Rund 150 Gäste gingen mit ihm am Wasserfall, dem Kunstguss- pavillon und dem Mausoleum vorbei und genossen die laue Frühlingsluft.

Tangerhütte. Im Geiste und Worten begleitet von Goethe und Heine, aber auch so mancher Geschichte zum Schmunzeln führte Gerhard Borstell am Sonntagnachmittag die Besucher durch den englischen Landschaftspark Tangerhüttes. Der war um die Jahrhundertwende des 18./19. Jahrhunderts zusammen mit dem Neuen Schloss geschaffen worden, auch um zu repräsentieren. Zu entdecken gab es einiges und auch zwei Stadtführerkinder aus der Tangerhütter Grundschule trugen dazu bei, dass diese erste Parkführung allen im Gedächtnis bleiben wird. Am Kunstguss- pavillon erzählten Anna Havelberg und Lea Selonke die Geschichte des filigranen gusseisernen Bauwerks, das auf der Weltausstellung 1889 neben dem Eiffelturm gestanden hatte.

Am Mausoleum angekommen, erklärte Gerhard Borstell: "Dieses Gebäude sollte mal fürs Parkfest dienen, dann als Disko und zwischendurch wollten es auch schon mal sowjetische Panzer zusammenschieben. Dann wurde lange nichts daran getan." Erst 1992 sei das Gebäude, in dem seit Kriegszeiten keine Toten mehr bestattet sind, saniert. Von den alten Malereien im Inneren sei zwar nichts mehr zu retten, aber "wir versuchen, es zu erhalten, so wie es jetzt hier steht".

Die Sichtachsen, der aus Betonguss hergestellte künstliche Wasserfall, das wieder hergerichtete Deckelvasenrondell oder das Mausoleum – alles Schätze, mit denen Tangerhütte punkten kann. Und das tut die jüngste Stadt der Altmark auch – spätestens seit sie Mitglied im Landesprojekt "Gartenträume – historische Parks in Sachsen-Anhalt" ist. Und so ein Gartenträume-Park, so dürfen sich übrigens auch das Dessau-Wörlitzer Gartenreich oder das Europa-Rosarium Sangerhausen nennen, muss auch etwas zu bieten haben.

Am Sonntag gab es daher so viele schöne Dinge zu sehen, dass sich im Schloss und ringsum die Menschen drängten. Jeder wollte sich vom Frühlingserwachen inspirieren lassen oder die Sonne vor dem Schloss genießen. Blumenhändlerin Christa Behrends und Metallhandwerker Hein Wiese hatten für Blumen und Gartenschmuck gesorgt, die Heilpflanzenschule "Altmarkkräuter" aus Demker stellte ihre Angebote vor, aber auch ausgefallene Kunst gab es da zu entdecken:

Autowerkstattbetreiber Martin Welzin aus Tangerhütte präsentierte nicht nur ein Pferd vor dem Schloss, sondern viele weitere Figuren, darunter ein "Kein-Ohr-Elefant" aus ausgedienten Fahrzeugteilen. Am Eingang zum Ehrenhof vor dem Neuen Schloss stand eine Figur, überdacht von dem Oberteil eines ausgedienten Autos, mit einem Schild in der Hand: "Schrott oder Kunst?". Diese Frage könne sich jeder stellen und für sich selbst beantworten, findet Martin Welzin. Das Hobby, mit ausgedienten Teilen noch ein wenig Freude zu verbreiten, begleitet ihn seit einigen Jahren.Inzwischen sei er froh, dass einige seiner Werke nun für eine Weile im Schloss stehen können, um auch künftige Besucher zu erfreuen.

Diese Kunstobjekte, aber auch die Fotoausstellung rund um Tangerhütte sowie Malereien und Zeichnungen im gro- ßen Saal ließen die Menschen verweilen. Und schließlich sorgte auch das Tangercafé der Lebenshilfe dafür, dass man es im Schloss gut aushalten konnte. Im Kaminzimmer brannte das Feuer und luden die Tische zur gemütlichen Kaffeerunde ein. Es musste sogar Kuchen nachgeholt werden, berichtete Kulturhausleiter Rainer Krause, der auch für die Organisation des Frühlingserwachens zuständig war.

Er selbst saß an einem Bücherstand aus den Beständen der alten Stadtbibliothek. "Der Verkaufserlös soll dem Schloss zugute kommen", erläuterte er, während nebenan, im Festsaal des Neuen Schlosses, die Swingband "Da Capo" für stimmungsvolle Musik zur Kaffeezeit sorgte.

   

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