Die Route war die gleiche wie vor 100 Jahren, die drei Stationen waren die gleichen wie vor einem Jahrhundert: Mit Getrommel und Fanfaren zogen gestern die Schüler und Lehrer des Hildebrand-Gymnasiums durch Stendal. Der Festumzug war ihr ebenso bunter wie lautstarker Start in die Festwoche zur 100-Jahrfeier.

Stendal. Von der Schule zum Rathaus, zum Landratsamt und zum Dom: Das Schulische, das Weltliche und das Klerikale sind gestern vom Festumzug zum 100-jährigen Bestehen der Hildebrandschule miteinander verwoben worden. Wie vor genau 100 Jahren, als am 4. April des Jahres 1911 das neuerbaute Schulhaus am Mönchskirchhof eingeweiht wurde und ein Fest-umzug an den Stationen Rathaus, Landratsamt und Superintendentur Halt machte.

Bei allen Parallelen – die Situation sei an jenem April-Dienstag im deutschen Kaiserreich, wenige Jahre vor Ausbruch des 1. Weltkrieges, doch ein wenig anders gewesen, wie Schulleiterin Dr. Anne-Dore Meißner gestern zum Aufbruch des Zuges der Schüler und Lehrer bemerkte. Doch trotz der wechselhaften Zeiten würden Generationen von Ehemaligen auf eine "meist glückliche Schulzeit" zurückblicken, gab sich Gunther Wegener, Schulrat vom Landesverwaltungsamt, in seinen Grüßen an die Jubiläumsschule überzeugt.

Angeführt von zwei Trommlern machte sich der Zug sodann auf den Weg durch die Hansestadt. Auf dem Marktplatz wartete bereits eine Abordnung von Salutschützen des SSV Diana auf die Umziehenden. Und der Oberbürgermeister. Umgehend stimmten die Hildebrandianer ein vielstimmiges "Happy Birthday" an – nicht nur für sich, sondern auch für den OB, denn es hatte sich herumgesprochen, dass Klaus Schmotz gestern ebenfalls Geburtstag hatte. Einen "Zufall der Geschichte" nannte dieser diese Fügung, betonte die "enge Verbindung zwischen der Schule und der Stadt" und sprach die Überzeugung aus, dass das Hildebrand-Gymnasium "auch in den nächsten Jahrzehnten die Schullandschaft der Stadt prägen" werde.

Vom Rathaus ging‘s durch die Breite Straße und den Schadewachten zum Landratsamt, wo Hausherr Jörg Hellmuth bereits auf die Scholaren wartete. Er wusste sie ohne große Worte sofort um seinen Finger zu wickeln. Einen Programmpunkt dieses feierlichen Tages möge sie sich noch einmal überlegen, schlug er Schulleiterin Meißner vor. Nämlich den: nach dem Umzug den Unterricht fortzusetzen. Ein Riesenapplaus war ihm sicher.

"Dummheit regiert ..."

Station drei war der Platz im Schatten des Doms, wo Michael Kleemann, Superintendent des Kirchenkreises Stendal, zu den Hildebrandensern, wie er sie nannte, sprach. Er sah sich in guter Tradition, habe sein Amtsvorgänger Brunabend doch vor 100 Jahren das geistliche Wort zur Einweihung der neuen Schule gesprochen. Jetzt war es an ihm, den Schülern und Lehrern von heute ein Wort der Kirche mit auf den Weg zu geben. Es fiel, wie Kleemann selbst bemerkte, markig aus wie viele Äußerungen von Martin Luther. "Dummheit regiert, wenn Bildung krepiert!", hatte der große Reformator im Jahr 1524 notiert. Seine Schrift trug den Titel "An die Ratsherrn aller Städte deutschen Landes, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen".

   

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