Elisabeth Wallborn ist zwar körperlich mit Sicherheit nicht die Größte, dafür aber darf sie den Titel "Älteste Einwohnerin von Jerchel" tragen. In dem kleinen Dörfchen, in dem sie ihr ganzes Leben verbracht hat, feierte sie gestern ihren 90. Geburtstag – und der begann ziemlich turbulent.

Jerchel. Die Jubilarin war gar nicht im Haus, als gestern Morgen die ersten Gratulanten vor der Tür standen. Nach kurzer Verwirrung und ein wenig Warten ließ sich das rüstige Geburtstagskind, das kurzfristig einen Arzt aufsuchen musste, dann aber doch noch zu seinem eigenen Jubiläum sehen.

Seit vielen Jahren lebt Elisabeth Wallborn in dem kleinen Haus an der Sandstraße, das früher sogar eine Bäckerei mit Verkaufsladen gewesen war. Bis heute ist der Backofen im Haus geblieben. Doch nach dem Tod ihres Mannes vor gut 30 Jahren dient das Gebäude der Witwe einfach nur noch als Zuhause.

Und dort kamen gestern Vormittag auch die ersten Gratulanten zusammen, darunter die Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte, Birgit Schäfer, sowie Jerchels Ortsbürgermeisterin Elke Behrens.

Zwei Kinder, vier Enkel und drei Urenkel gehören zur Familie von Elisabeth Wallborn. Und die ist, bis auf einige körperliche Probleme, noch ganz fit. "Früher, da habe ich viel Handarbeiten gemacht, seit meinem vierten Lebensjahr. Ich habe in meinem Leben so viele Pullover gestrickt und Strümpfe, die kann man gar nicht zählen", sagt sie, während ihre Gäste am Stubentisch mit der handbestickten Tischdecke Kaffee und Sekt trinken. "Früher gab’s ja keine Spitze, da habe ich die selbst gehäkelt", erzählt sie noch, während sie über den Rand der Decke streicht.

Ihr Leben lang hat Elisabeth Wallborn in Jerchel gelebt, ihr Mann sei damals aus Iden bei Osterburg gekommen, erzählt sie. Doch sie selbst habe nie daran gedacht wegzugehen. Warum auch? "Jerchel ist doch schön."

Bis heute dreht sie noch täglich ihre Runden mit dem Rollator durchs Dorf und freut sich, wenn sich irgendwo etwas tut. Baustellen, Malerarbeiten oder der Garten, "ich interessiere mich für alles, was hier in Jerchel passiert", erzählt die rüstige Dame, deren Sohn mit Familie ebenfalls in Jerchel lebt.

Am kommenden Wochenende wird dann noch einmal in Dolle gefeiert. Dort betreiben Tochter und Enkel das "Deutsche Haus" und dort wollen Freunde und Familie dann noch einmal gemeinsam anstoßen. Auf die älteste Bewohnerin von Jerchel.