"Surfen im Internet – aber sicher!", so lautet der Titel des Modellprojektes, in dessen Rahmen Michael Teichert, Systemadministrator des Landkreis-Dienstleiters ALS, jetzt in der Tangerhütter Sekundarschule zu Gast war. Risiken und Tipps rund ums Chatten (elektronische Unterhaltung), das Herunterladen von Musik oder Filmen und die Gefahren von Spam (Werbenachrichten) im Netz sprach er an. Und dass das Thema eines ist, das bei den Schüler der neunten Klassen ankam, war deutlich zu merken.

Tangerhütte. Ein Modellprojekt, wie es schon in Goldbeck angelaufen ist und das in Zeiten von Diskriminierungen im weltweiten Netz, von Cybermobbing (Belästigung übers Internet) und den Gefahren von Missbrauch besonders wichtig ist, holte Edith Braun, Vorsitzende des Schulausschusses im Kreistag, jetzt auch an die Tangerhütter Sekundarschule. "Die Demoralisierung im Internet bewegt mich sehr", sagt die 60-Jährige, die nach eigenem Bekenntnis Anfänger auf der Datenautobahn des weltweiten Netzes ist.

Gemeinsam mit Schulleiter Norbert Grewatsch, der die Veranstaltung als Prävention für Probleme und Kosten im Zusammenhang mit dem Internet versteht, eröffnete sie den besonderen Unterricht und erklärte: "Ich glaube, dass eure Schule von der Perspektive her ganz neue Modelle ermöglichen kann. Denn sie ist etwas Besonderes, weil hier Lehrer und Eltern an einem Strang ziehen", sagte sie. Solche Einrichtungen seien Grundlage dafür, dass "Kinder die Zeit zum Lernen bekommen, die sie brauchen, um den bestmöglichen Abschluss zu schaffen, mit dem sie dann ihr Leben bewältigen können." Immerhin wachsen viele Kinder und Jugendliche heute ganz selbstverständlich auch mit einer parallelen Welt im Internet und virtuellen Freunden auf.

Referent Michael Teichert begann nach dieser Einführung mit einem Blick hinter die Kulissen des weltweiten Netzes und mahnte unter anderem: "Es kann sein, dass Leute, mit denen ihr euch unterhaltet, gar nicht die sind, für die sie sich ausgeben." Vor allem auf Risiken, die Schüler eingehen, wenn sie Unbekannten ihre Adresse, Telefonnummer oder andere persönliche Informationen schicken, wies er deutlich hin. Und zwar auch anhand von Chattexten, wie sie tatsächlich abgelaufen sein sollen.

Da gab etwa ein zwölfjähriges Mädchen, das mit Fotoaufnahmen für ein Jugendmagazin gelockt wurde, fast alles von sich preis. "Was ist denn, wenn sich ihr Chatpartner dann in seinen kleinen schmutzigen Polo setzt und Lisa auf dem Schulweg wegfängt?", stellte er in den Raum.

Auch Edith Braun erinnerte daran, dass es erst vor wenigen Wochen einen Mordfall gegeben habe, bei dem ein Mädchen ihren Mörder zuvor im Chat kennengelernt hatte.

"Bleibt misstrauisch, denkt euch einen Spitznamen aus, der nicht zu viel von euch verrät, und schickt Fremden keine Fotos von euch!", fasste Teichert zusammen. "Und vor allem: Trefft euch nicht mit Leuten aus dem Chat!" Auch bei der Wahl des Kennwortes solle man sorgsam vorgehen, appellierte Teichert, "es ist auch Identitätsklau möglich" sagt er und malte potenzielle Verunglimpfungen im Netz aus.

Themen, über die man auch mit Unbekannten reden könne, seien Hobbys, Haustiere oder Dinge, die man ¿heute gemacht‘ hat", erläuterte er. Für die Schüler der neunten Klassen, die seine Ausführungen lebendig und manchmal auch mit den für das Alter typischen spaßhaften Einwürfen begleiteten, waren viele Informationen doch hilfreich, so auch die zum Download (Herunterladen) von Musik, Filmen oder Spielen aus dem Netz.

Dort gebe es einiges zu beachten, erläuterte der Fachmann. "Es sind schon Schüler von der Staatsanwaltschaft abgemahnt worden, weil sie illegal Sachen aus dem Netz heruntergeladen haben und das kann dann richtig teuer werden", sagte er. Vor Tauschbörsen und Directdownloads warnte er ausdrücklich. Vor allem Tauschbörsenprogramme, die sich auf dem eigenen Rechner installieren, seien gefährlich.

"Jeder Rechner hat eine eigene IP-Adresse (Internetprotokoll, Anm.d.Red) und die werden durch Tauschbörsenanbieter gespeichert. Das kann alles zurückverfolgt werden und ihr habt keine Kontrolle über das Angebot", erläuterte er. Wenn dann eine Datei vom eigenen Rechner aus ins Internet gelangt, dann habe man sich schon strafbar gemacht.

Auch Themen wie Schadprogramme, die Viren oder Trojaner einschleusen und damit den eigenen Rechner lahmlegen können, Phishing (Datenangeln) zum Auslesen von Informationen, etwa übers Bankkonto, oder Spyware (Schnüffelprogramme), die jeden Tastenanschlag mitschreiben und weitergeben, sprach er an. "Aktiviert einen Virenscanner, ohne Virenschutz ins Internet zu gehen, ist grob fahrlässig!", mahnte er, bevor er noch auf die Risiken von angeblich kostenfreien Programmen auf speziellen Anbieterseiten zu sprechen kam.

"Die meisten Leute werden erst nach dem Erhalt einer Rechnung darauf aufmerksam, Seiten wie ¿opendownload.de‘ sind auf den ersten Blick seriös, aber dann fallen bei einer Anmeldung plötzlich 96 Euro für einen Zweijahresvertrag an." Auch auf Abofallen wie das sogenannte Handyorten per Satellit, das erstens nicht richtig funktioniere, wie Teichert betont, und das zweitens eine Kostenlawine nach sich ziehe, wies er hin. "Da fallen 2,99 Euro für drei Tage an, und wenn ihr nicht über eine teure Hotline kündigt, dann verlängert sich das Abo automatisch immer wieder um drei Tage." Rechnungen für solche Dinge sollten nicht ignoriert, sondern mit den Eltern besprochen und geprüft werden, damit im Zweifelsfall rechtzeitig gehandelt werden kann, betonte er.