Stress ist kein Phänomen, das auf Erwachsene beschränkt ist. Auch Kinder haben ihn, auch Grundschulkinder. Die Grundschule Am Petrikirchhof in Stendal geht das Problem mit dem von der Techniker Krankenkasse geförderten Projekt "Entspannen im Alltag" an. In dieser Woche zogen die Drittklässler nach acht Kursterminen Bilanz.

Stendal. Das Symbol der Waage spielt für die Kinder eine wichtige Rolle. Wenn sie etwas, das Stress macht, in die linke Waagschale legen, müssen sie über die rechte versuchen, das Gleichgewicht wiederherzustellen mit einer Sache, die gut tut. Doch was macht Kindern Stress?

"Da gibt es vieles", weiß Stephanie Bemmann zu berichten. Die freiberufliche Psychologin hat in den dritten Klassen der Petrikirchhofschule acht Kurstermine von jeweils 90 Minuten absolviert. "Zu viel Schule, viele Termine in der Freizeit, andere Kinder, Lehrer, Geschwister, schlechte Noten, viel Lärm bis hin zu solchen Dingen wie wenig Geld und kaum was im Kühlschrank – es gibt zahlreiche Stressfaktoren für die Kinder", zählt sie auf. "Wobei sie im Laufe des Projekts lernen zu differenzieren. Zum Beispiel dass Geschwister, Eltern oder Lehrer zwar Stress machen können, aber auch gut tun." In der letzten Phase des Projekts schrieben und zeichneten die Kinder alles, was sie über Stress und seine Bewältigung gelernt haben, auf ein riesiges Transparent, das seinen Platz an einer Wand in der Schule finden wird. Da kann man nun lesen, was ihnen gut tut: Essen, Trinken, Laufen, Sporttreiben, Comicslesen oder auch einfach mal eine Minute ausruhen.

"Im Gegensatz zu Erwachsenen", sagt Stephanie Bemmann, "sprechen Kinder nicht über Dinge, die sie belasten, die ihnen Stress machen. Sie bekommen Kopf- oder Bauchschmerzen." All das war Thema in den Kursen der beiden dritten Klassen der Grundschule. "Ich denke, die Kinder konnten daraus eine Menge mitnehmen. Der Umgang mit Stresssituationen wird ihnen jetzt leichter fallen", lautet das Resümee von Sabine Hofmann, Klassenlehrerin der 3a.

Dank des Projekts "Entspannen im Alltag" der Techniker Krankenkasse, Teil des bundesweiten Förderkonzepts "Gesunde Schule", konnte die Petrikirchhofschule Psychologin Stephanie Bemmann engagieren. Über mangelndes Interesse konnte sie sich nicht beklagen: "Die Kinder haben super mitgearbeitet. Es hat ihnen offenbar viel Spaß gemacht."