Wenn der MAD-Club an der Wahrburger Straße nach Umbau und Renovierung am 13. Mai wiedereröffnet wird, dann dürfen die jugendlichen Besucher getrost Augen machen. Für einen Blickfang hat zum Beispiel Michael Braune mit der Spraydose gesorgt.

Stendal. Den kleinen hohen Durchgangsraum mit dem hellen Oberlicht, nicht viel mehr als eine Nische, hat man früher kaum wahrgenommen. Das hat Michael Braune radikal geändert. Drei Tage lang war er in der vergangenen Woche mit der Spraydose in Gange – und jetzt kann keiner mehr den Blick von seinem großen Wandbild lassen, wenn er den Raum betritt. Aus einem knallroten Gewölk, das in einem Tal zu wabern scheint, ragen hohe Türme heraus, die mit Brücken, Stegen und Seilen verbunden sind, und auf denen vogelartige Wesen in verschiedenen Farben hocken.

Mit seinem Groß-Graffiti stimmt Michael Braune auf die neue Attraktion ein, die am 13. Mai zusammen mit dem renovierten MAD-Club auf dem Freigelände eröffnet wird: der Hochseilgarten, der künftig zum gemeinsamen Klettern einlädt. Natürlich hat der Stendaler die mächtige Pfosten-Balken-Seil-Konstruktion, die in den vergangenen Monaten draußen vor der Tür "gewachsen" ist, nur andeutungsweise, mit großer künstlerischer Freiheit abgebildet. Und den MAD-Club mit seiner multikulturellen Besucherschar wollte er auch nicht plump plakativ auf die Wand bannen. "Statt schwarzer, gelber und weißer Menschen habe ich halt bunte Vögel ins Bild gesetzt", erklärt er.

Ein zweites, noch farbfrisches Bild mit seiner Signatur PEKA bedeckt eine Wand im Eingangsbereich. Doch das ist von völlig anderer Art: ein abstraktes Muster in klassischer Graffiti-Manier, das die Farben der Eingangstür Grau und Blau aufgreift.

Graffiti-Kunst ist vergänglich

Michael Braune, inzwischen studierter Industriedesigner und mit Grafik und Innenarchitektur beschäftigt, hat bereits in den 90er Jahren, als er noch zu den jungen wilden Graffiti-Rebellen gehörte, viele Spuren im Jugendclub an der Wahrburger Straße hinterlassen. Vieles davon ist heute verschwunden, übermalt, übersprüht. "Das Grellbunte von damals ist einem anderen, eher zurückhaltenden Geschmack und Konzept gewichen", sagt Clubleiterin Susann Junghans. Michael Braune trauert seinen Bildern nicht nach: "Graffiti-Kunst ist vergänglich. Du besprühst einen Zug, und er fährt davon. Du schenkst das Bild dem öffentlichen Raum, es gehört dir nicht." Wobei Michael gar nichts davon hält, fremdes Eigentum ohne Zustimmung des Besitzers zu bemalen. "Ein Architekt", sagt er, "hat seine Idee gebaut. Die darf ich nicht einfach beeinträchtigen."

Die deutsche Graffiti-Szene, darauf ist er ein bisschen stolz, habe im internationalen Vergleich mächtig zugelegt und befinde sich heute auf Augenhöhe mit der von New York oder Los Angeles. "Früher fuhren wir nach New York und konnten nur lernen, jetzt kommen sie zu uns und schauen sich in Berlin, Hamburg oder München kreierte Stile an, etwa den aufwendigen 3-D-Style", erzählt er.

Zur Wiedereröffnung des MAD-Clubs am 13. Mai haben sich bisher keine Besucher aus New York angekündigt. An jenem Feitag und am darauf folgenden Sonnabend lädt das Netzwerk Integration durch Sport zugleich zu einem Familien- und Jugendsportfest an drei Standorten ein: in der Sporthalle Erich-Weinert-Straße, auf der neuen Skateranlage und am MAD-Club.