Tangermünde. "Das Essen gehört für uns alle zum Alltag, so wie die bunten Eier zur Osterzeit, die gebratene Gans zum Weihnachtsfest." Mit diesen Worten eröffnete Sigrid Brückner, Leiterin der Museen der Stadt Tangermünde, am Sonntagnachmittag die neue Ausstellung im Burgmuseum.

"Der gedeckte Tisch – Essen und Trinken in Alter und Neuzeit" lautet der Titel dieser Präsentation, "die uns einige Monate Arbeit beschert hat", so Sigrid Brückner. Viel habe es für dieses Thema zusammenzutragen gegeben. Auch habe sie gar nicht so viel über das Essen aus der Altmark finden können. In diesem Zusammenhang erwähnte sie jedoch die bekannte Altmärkische Hochzeitssuppe und die Geschichte um die Erbsensuppe mit Schweineohren, die Kaiser Karl IV. bei einem unangekündigten Besuch in Tangermünde bekommen hatte.

Im Pavillon der Burg sind große Tafeln ausgestellt, auf denen Wissenswertes über Tischkultur, den Einfluss der Seefahrer auf das Essen, die Entwicklung der Küche, über Tafelsitten und Tischmanieren zu lesen ist. Da heißt es unter anderem: "... zur Zeit Karl des Großen (742-814) herrschte ein regelrechtes Durcheinander am Tisch. Man aß mit den Fingern und so mancher Knochen landete unter dem Tisch ..."

Interessant sind die Benimmregeln, die zunächst vom Adel und später vom ganzen Volk zu beachten waren. Eine davon lautet: "Pass auf, dass keine sechsfüßigen Tiere an dir herumkrabbeln." Eine andere sagt: "Wenn du niesen oder husten muss, lass allen freien Lauf, aber wende dich ab." Selbst das Stibitzen von fremden Tellern wurde schon damals untersagt: "Auch wenn dir ein Stück deines Tischnachbarn besonders gefällt, nimm es nicht weg."

Dass nicht nur heute oft über mehrere Tage hinweg gefeiert wird, sondern auch schon in früheren Jahrhunderten Menschen ein Familien- oder Gemeindefest nutzten, um ausgiebig zu essen und zu trinken, davon berichtete Sigrid Brückner während der Ausstellungseröffnung außerdem.

"Der perfekt gedeckte Tisch und Dekoration ist keine Erfindung der heutigen Zeit", sagte sie. Auch damals habe es davon reichlich und Interessantes gegeben.

Im Pavillon des Burgmuseums sind neben den großen Texttafeln und einem alten Kaufmannsladen auch Kräuterkästen zu sehen, die extra für die Präsentation hergestellt worden waren. Im Keller des Museums liegen hinter Glas Steinzeug, Glas, Porzellan, Zinn, Bestecke und sogar ein komplettes Gedeck, das einst zu einer Silberhochzeit genutzt wurde. Auch Kuriositäten hatten die Mitglieder des Museumsvereins für diese Ausstellung zusammengetragen. Dazu gehören auch Verpackungsreste einer Mahlzeit in einem bekannten Schnell-Imbiss.

Wer bei diesem Thema rund ums Essen Hunger bekam, der hatte auf dem Hof des Burgmuseums Gelegenheit, diesen zu stillen. Es gab Pellkartoffeln mit selbsthergestellter Tunke.Außerdem hatten Ulf und Birgit Dähnrich vom Stendaler Gerberhof hier einen Stand aufgebaut, boten etliches aus der Vollwertküche zum Verkosten und jede Menge Informationen zu Naturkost und Vollwertküche an.

Anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung im Burgmuseum sagte Amtsleiterin Birgit Herzberg am Sonntag: "Mein Wunsch ist es, dass auch in Zeiten knapper Stadtkassen Museen zur Bewahrung unserer Geschichte erhalten bleiben." Musikalisch begleitet wurde die Zeremonie von Michaela und Jennifer Quast.

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