Wie bringt man Jugendlichen die Gefahren von Drogen am eindringlichsten nahe? Eine Möglichkeit besteht in der Form des Theaters. Für diese hat sich das Berufsbildungswerk Stendal im Rahmen eines Projekttages zur Suchtprävention entschieden. Eine Gesprächsrunde bot Gelegenheit zum Austausch.

Von Fabian Böker

Stendal. Wo liegen die Gründe für Drogenkonsum? Welchen Situationen entspringt ein Abgleiten in eine Drogenkarriere? Welche unbefriedigten Sehnsüchte werden durch Drogen vermeintlich erfüllt? Diesen Fragen widmet sich das Theaterstück "Sehne mich süchtig" vom "theaterspiel" aus Witten.

Drei Geschwister – Pat, Lene und Simon – treffen wie jedes Jahr auf einem Fest des Vaters aufeinander. Pat zieht jedoch eine Privatfeier vor, in deren Verlauf sie mit einer Überdosis Ecstasy in die Klinik eingeliefert wird. Während die Eltern den Vorfall totschweigen, legen die drei Geschwister ihre Lebensbeichten ab und finden so wieder zueinander.

Reden, Kommunikation und der Austausch mit anderen seien das Wichtigste für Abhängige, so Petra Ahrens vom Gesundheitsamt. Diese Einschätzung teilten auch zwei der drei Darsteller, die in ihren eigenen Biographien auf Drogenerfahrung zurückschauen können. Hilfe fanden sie letztendlich in Gesprächen mit anderen Menschen, sei es der eigenen Schwester oder im Rahmen einer professionellen Therapie.

So gestaltete sich die anschließende Diskussion sehr authentisch. Viele der etwa 250 Besucher stellten Fragen oder merkten etwas zur Thematik an, es entwickelte sich ein reger Austausch zwischen Akteuren und Zuschauern. Dieser setzte sich später auch in diversen persönlichen Gesprächen fort. Ganz offen gingen die Schauspieler mit ihrer Drogenvergangenheit um, ohne moralisch einfach nur den Zeigefinger zu heben.

Suche nach Bestätigung und Wertschätzung

Drogen seien nicht per se illegal, da es auch nicht-stoffliche Abhängigkeiten gebe. Dieser Einschätzung von Petra Ahrens konnte Beate Albrecht, Autorin des Stückes, beipflichten. Sie weiß, dass auch Essstörungen oder die Sucht nach Sport gefährlich sein können.

Ursache beinahe jeder Abhängigkeit sei die Suche nach Bestätigung, nach Wertschätzung, nach Liebe, berichtete Dr. Iris Schubert, Amtsärztin des Gesundheitsamtes, bei der offiziellen Eröffnung. Die Familie könne diesen benötigten Halt bieten. Fehlt es jedoch an der Kommunikation innerhalb der Familie, sind Entwicklungen wie die im Stück gezeigte keine Seltenheit.

Welche Lehren die Jugendlichen aus den 60 Minuten Theater und 40 Minuten Nachbetrachtung ziehen werden, ist nicht abzusehen. Das Interesse an und die verbale Auseinandersetzung mit dieser Thematik jedoch stimmten Karin Karheiding, Leiterin des Arbeitskreises Sucht im Berufsbildungswerk, zuversichtlich.

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