Von Wolfgang Biermann

Stendal. In einem Ort bei Bismark wird bei einem übers Wochenende auf der Straße abgestellten Lkw in der Nacht der Tankdeckel aufgebrochen, die Diebe zapfen rund 150 Liter Diesel ab. Bemerkt hat das scheinbar niemand, nur legen die Diebe mit ihrer als Transportmittel benutzten Schubkarre beim Dieselklau eine unübersehbare weiße Spur zu einem Grundstück im selben Ort, weil der Truck an einem Kalkhaufen stand. Dazu war auch noch etliches an Diesel verschüttet worden.

Die alarmierte Polizei aus Seehausen muss also nur der Kalk-Diesel-Spur bis zum Dieselkraftstoff in diversen Behältnissen folgen. Dabei liegen auch eine Pumpe und die Schubkarre. "Das haben die Freunde meiner Töchter nachts angeschleppt", erfahren die Beamten vom Besitzer des Hofes. Die jungen Männer, beide 24, können die Polizisten allerdings nicht befragen, denn sie sind ausgeflogen.

Täter klagen Sprit ein

Erst dumm, dann dreist? Wenig später tauchen sie auf der Wache in Seehausen auf und fordern die Herausgabe des beschlagnahmten Kraftstoffs. Es wäre ihrer, behaupten sie. Doch das glauben ihnen weder die Polizisten noch später die Strafrichterin am Amtsgericht in Stendal. Sie verurteilt am 15.Dezember den rechtlich bislang unbescholtenen Straßenbauer zu 3150 Euro Geldstrafe und seinen schon oft mit dem Gesetz in Konflikt geratenen Kumpan zu zehn Monaten Gefängnis. Dieser stand zur Tatzeit unter Bewährung. Das nur auf Indizien beruhende Urteil nehmen die aus einem Ort bei Osterburg stammenden Angeklagten nicht hin und ziehen mit ihrer Berufung ans Landgericht in Stendal.

Im Prozess machen sie von ihrem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch. Die Freundinnen der Angeklagten, inzwischen mit diesen verlobt, verweigern ebenfalls die Aussage. Am Ende plädieren die Verteidiger auf Freispruch, weil bei ihren Mandanten ein Tatplan nicht nachgewiesen worden sei. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hält indes den Diebstahl durch die Angeklagten als erwiesen an. Zudem besaß der eine ein Dieselauto und der andere die Behältnisse sowie die Pumpe. In ihrem Urteil bleiben die Richter indizienbezogen: "Die Spuren sprechen eine deutliche Sprache." Das "Zusammenspiel aller Indizien" lasse "keine vernünftigen Zweifel an der Täterschaft zu".