Jedermann ist am Donnerstag, 19. Mai, um 17 Uhr im Stendaler Rathausfestsaal zur Gründungsversammlung der Altmärkischen Bürgerstiftung Hansestadt Stendal willkommen. Als "Geburtshelfer" fungiert der Hamburger Ingenieur und Unternehmer Dr. Gottfried von Bismarck, der die Erfahrungen der größten deutschen Bürgerstiftung mit einbringt.

Stendal. Die große Freude, die ihm sein bürgerschaftliches Engagement in der Hanse- und Hafenstadt macht, springt Gottfried von Bismarck geradezu aus den Augen. Mit 50000 D-Mark Startkapital sei die Bürgerstiftung Hamburg im Jahr 1998 aus der Taufe gehoben worden, erzählte ihr Mitbegründer gestern in einem Pressegespräch im Rathaus. Heute sei sie die größte ihrer Art in Deutschland.

Gottfried von Bismarck lernte über ein Förderprojekt die Vorsitzende der Bürgerinitiative Stendal, Marion Mohr, kennen. Und beide brachten den in Stendal schon länger kursierenden Gedanken einer Bürgerstiftung zum Laufen. Nun steht die Idee kurz vor ihrer Realisierung. Am kommenden Donnerstag ist für 17 Uhr die Gründungsversammlung im Rathausfestsaal angesetzt.

"Die Hansestadt Stendal hat die Vorbereitungen räumlich, technisch und in manch anderer Weise unterstützt", sagte Oberbürgermeister Klaus Schmotz gestern. "Aber die Stiftung soll von der Bürgerschaft getragen werden und wird vom politischen Geschehen in der Stadt völlig unabhängig sein."

Die Altmärkische Bürgerstiftung werde sich auf Jugend- und Bildungsprojekte konzentrieren, beschrieb von Bismarck den Stiftungszweck. Klares Ziel sei es, mindestens 50000 Euro Kapital anzuhäufen, mit dessen Zinsen die Stiftung ihre Projekte verwirklichen wird. Noch wichtiger als Geld sei dabei das Engagement von Menschen für Menschen, denn, so der Hamburger: "Die meisten Projekte kosten gar kein Geld." Neben den Stiftern größerer Summen hoffe die Stiftung auch auf die vielen kleinen Spender, die sich mit einem 50- oder 100-Euro-Schein einbringen.

An stiftungswillige Unternehmer gerichtet, sagte von Bismarck: "Es geht dabei nicht um Wohltätigkeit. Unternehmen sollen sich mit ihren handfesten Eigeninteressen beteiligen, zum Beispiel der Ausbildung von geeignetem Nachwuchs."

In Hamburg habe die Bürgerstiftung zum Beispiel ein Projekt gestartet, das auch für Stendal geeignet wäre. In Zusammenarbeit mit einer Autowerkstatt habe eine Gruppe von Jugendlichen einen schrottreifen Golf zu einem flotten Rallyefahrzeug umgebaut. Für von Bismarck ein Beitrag zur Milderung des wachsenden Fachkräftebedarfs der Wirtschaft. Andere Projekte in Hamburg seien die Gründung eines Jugendparlaments in einem Problembezirk und die kostenlose Rechtsberatung für Mittellose gewesen.

Neben der Schönbeckschen und der Jütting-Stiftung soll die Altmärkische Bürgerstiftung Hansestadt Stendal die Tradition des gemeinnützigen Wirkens von Bürgern der Hansestadt fortführen – mit Projekten, die die Grenzen der Stadt auch überschreiten können. Ein Initiativkreis aus bis zu 30 Leuten hat die Gründung der Stiftung in den zurückliegenden Monaten vorbereitet und eine Satzung erarbeitet.

Zur Gründungsversammlung am Donnerstag sind alle Interessenten willkommen – ob sie nun stiften oder spenden, ob sie Ideen und Mitarbeit einbringen oder ob sie einfach zuhören wollen.

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