Seit 55 Jahren haben sie sich nicht gesehen, gestern nun trafen sich die Schüler der 8c, die 1956 in der Diesterweg-Schule ihren Abschluss machten, zum ersten Mal wieder. Der Rundgang durchs Schulhaus brachte einige Erinnerungen zutage.

Stendal. "Der Günter?" "Und du bist der...Ewald." Ein kleines Grüppchen älterer Herren steht am Freitagmorgen vor der Diesterweg-Schule. Man kennt sich, und doch fällt das Erkennen auf den ersten Blick schwer. Kein Wunder, schließlich haben sich die "Jungs" der 8c seit 1956 nicht mehr gesehen. Nur vereinzelt gibt es noch Kontakte zwischen den ehemaligen Klassenkameraden.

Jetzt, 55 Jahre nach dem Schulabschluss, treffen sich zehn der einst zwanzig Schüler wieder. Sie wohnen in Stendal, Cottbus, Gera, Hoyerswerda München... "Das war nicht einfach, alle ausfindig zu machen, zudem sind einige schon verstorben, auch unsere damalige Klassenlehrerin Erika Leske", erzählt Elmar Berndt, der seit über 50 Jahren nicht mehr in Stendal lebt, sondern in München. Die Erinnerung an seine Schulzeit hat ihn noch nicht losgelassen, und so hat er im vorigen Jahr angefangen, das Treffen zu organisieren. Ein in der Volksstimme veröffentlichtes Foto der Abschlussklasse half, Kontakte herzustellen.

Die Männer – alle Jahrgang 1940 bis 1942 – staunen beim Rundgang durchs Schulhaus mit Direktorin Silvia Mattner. Schulsozialarbeiter, Praxislernraum, Laptops, Beamer, Trinkbrunnen – alles Dinge, die es damals nicht gab. "Es riecht gar nicht mehr nach Schule", sagt einer der Ehemaligen, er vermisst wohl den typischen Geruch nach Bohnerwachs.

In ihrem alten Klassenraum im ersten Stock blättern die Klassenkameraden in der Schulchronik, erinnern sich an Streiche und Anekdoten. Wie sie einmal den Klavierhocker des Musiklehrers an der Heizung festbanden und der Arme dann beim Ranrücken wie zu erwarten vornüber fiel. Klaus Kittner kann noch das kurze Gedicht auswendig, das er zum Geburtstag ihrer Lehrerin Erika Leske dichtete; Geld für Blumen hatten sie ja nicht. Und sie wissen noch sehr gut, wie sie sich gefreut haben, wenn Frau Leske mit Brötchen in die Schule kam. Denn ein regelmäßiges Mittagessen, so wie heute im bunt gestalteten Speiseraum, das gab es damals nicht.