Singen, trommeln, Instrumente ausprobieren, malen, ein Theaterstück mitgestalten – die Stendaler Kulturnacht am Sonnabend bot reichlich Gelegenheit, Kultur nicht nur zu konsumieren, sondern selber mitzumachen.

Stendal. Die Eröffnung der Kulturnacht schien in diesem Jahr noch gelungener als zuvor. Nachdem ein gutes Dutzend Chöre singend sternförmig zum Domplatz gekommen war und sie den Kulturnacht-Blues gesungen hatten, öffneten sich 24 Fenster des Landgerichts einem Adventskalender gleich – zum Vorschein kamen Bläser. Ein toller Anblick, eine wunderbare Idee zur Einstimmung auf einen Abend reich an Musik, Schauspiel, Ausprobieren und Mitmachen.

Zeitlich gut aufeinander abgestimmt bot sich den Kulturnacht-Pilgern die Möglichkeit, so viel wie möglich von allem mitzuerleben. "Gleich gehe ich noch zum Tangermünder Tor und zum Trommeln", sagte Elmar Berndt, nachdem er ein paar Fotos vom Eröffnungskonzert geschossen hatte. Der Münchener hatte am Tag zuvor ein Klassentreffen in Stendal und blieb noch übers Wochenende. So entging ihm also nicht der rhythmische Radau auf dem Theatervorplatz, wo Andreas Schulze immer mehr Umstehende zum Mittrommeln animierte.

Derart in gute Laune versetzt bot sich anschließend die Möglichkeit, in der Musik- und Kunstschule mal ein Instrument auszuprobieren oder sein Maltalent zu testen. Wer nicht selbst aktiv werden wollte, konnte sich auch an verschiedenen Orten bis zur Mitternacht von Musik aller Art berieseln lassen.

"Man hat sehr stark den Eindruck, dass die Beteiligten mit ganz viel Herzblut an die Organisation gegangen sind", sagte Anna Scholz aus Halle, die an diesem Wochenende in Stendal zu Besuch war. "Es ist eine tolle Stimmung, alle sind bester Laune und man fühlt sich eingeladen." Und nicht nur gute Unterhaltung, auch die Möglichkeiten zum Innehalten haben ihr gefallen. "Die einzelnen Stationen mit Text und Musik in der Jacobikirche haben mich sehr angesprochen. So viel Mühe und Engagement für nur einen Abend!"

Öfter als nur an einem Abend würde sich mancher wohl das Improvisationstheater wünschen, das zu später Stunde im Kleinen Haus für Tränen und Bauchweh sorgte – eine Stunde Lachausbrüche hinterlässt eben ihre Spuren. Zwei Männer und zwei Frauen spielten auf Zuruf aus dem Publikum, anhand verschiedener Stichworte und spontan vorgegebener Szenen kleine Geschichten.

Nichts war abgesprochen, alles entstand in der Sekunde: der Schornsteinfeger, der vor Psychologen über seinen Job referiert; vier Menschen, die sich auf der Müllkippe begegnen; ein Regisseur, der im Studio seinen neuesten Film vorstellt; das ungruselig inszenierte "Schweigen der Lämmer" erzählt aus der Perspektive des Hütehundes. Heiterer kann ein Abend nicht enden.

   

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