Wenn sich der Mieterverein Stendal und Umgebung heute zu seiner Mitgliederversammlung trifft, ist das eine besondere Zusammenkunft: Nach fast 20 Jahren geschäftsführender Tätigkeit wird Günter Kasten verabschiedet. Der energische Streiter für das Recht der Mieter geht in den Ruhestand.

Stendal. Vermieter und Mieter werden wohl nie Freunde. Aber als Feindschaft möchte Günter Kasten das Verhältnis auch nicht bezeichnen. "Das Profitstreben desjenigen, der Eigentum hat, ist ja nicht verwerflich", sagt er. "Aber man braucht als Gegengewicht eine Interessenvereinigung. Und die bieten wir als Mieterverein."

Günter Kasten tritt energisch auf, wenn es um die Belange von Mietern geht. Seit fast 20 Jahren kämpft er für ihre Rechte, obwohl er beruflich so rein gar nicht im Juristischen groß geworden ist. Ursprünglich sollte der gebürtige Usedomer mal die Landwirtschaft seiner Eltern übernehmen. Das Militär kam dazwischen, und er blieb 25 Jahre. Zur Wende dann die Neuorientierung, nochmal ganz was anderes anfangen.

Angesprochen, ob er für den Mieterbund arbeiten wolle, habe er erst zugesagt, dann wieder abgesagt und schließlich doch wieder zugesagt. "Sie schaffen das, hat man zu mir gesagt", erinnert sich Kasten, der am Montag 65 wird. Und was 1991 mit "Notizbuch, Bleistift und Radiergummi" begann, mündete in einen personell und finanziell stabilen Verein, der derzeit 2000 Haushalte in der Altmark betreut.

Beratung, nicht gerichtliche Vertretung, betont Günter Kasten, biete der Verein seinen Mitgliedern, die pro Jahr 48 Euro Beitrag zahlen. "Den Gang zum Gericht wollen wir ja gerade verhindern", sagt Kasten, "Unsere Hauptaufgabe ist Beratung und Unterstützung in allen mietrechtlichen Dingen. Und wir tragen zur Befriedung der Vertragspartner bei."

Auch wenn er "bis auf Messers Schneide" für die Mieter kämpft – automatisch Recht bekämen sie nicht, so Kasten. "Wer seine Hauptpflicht nicht erfüllt und zum Beispiel bei der Mietzahlung säumig ist, der muss erstmal seine Hausaufgaben machen."

Ende Mai übergibt Günter Kasten sein Amt als geschäftsführender Vorsitzender an einen Nachfolger, der auf der heutigen Versammlung des Mietervereins gewählt wird. Für den Rentner Günter Kasten beginnt dann eine Zeit, in der er sich im Eigenheim und im Garten zu beschäftigen wissen wird. Und vielleicht auch Kaninchen und Hühner anschaffen und den Fischereischein machen. "Und ich möchte meiner Frau ein bisschen was von dem zurückgeben, was sie mir all die Jahre ermöglicht hat. Sie hat mir immer den Rücken freigehalten, wenn ich mal wieder gesagt habe: Zu der Versammlung muss ich unbedingt hin."

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