Geflügelfleisch ist in der Landwirtschaft offenbar noch eine verlässliche Einnahmequelle. Ein Grund für den Hindenburger Kai-Richard Schlichting, in eine große Hähnchenmastanlage bei Schwarzholz zu investieren.

Schwarzholz. Nachdem das Vorhaben schon vor Wochen einmal kurz in einer Sitzung angerissen wurde, stellte der gelernte Landwirt und Betriebsleiter eines landwirtschaftlichen Lohnunternehmens den Mitgliedern des Gemeinderates Einzelheiten vor. Zumindest soweit das zum jetzigen Zeitpunkt und vorbehaltlich des Genehmigungsverfahrens nach dem Bundes- immissionsschutzgesetz überhaupt schon möglich ist. Die Ausführungen sorgten bei seinen Zuhörern nicht nur für Jubel über mögliche vier Arbeitsplätze, sondern auch für Bedenken und Nachfragen.

400000 Hähnchenmastplätze will der Investor in acht Ställen einrichten. Den Bauplatz an der Biogasanlage, die südlich des Dorfes seit ein paar Jahren ihren Dienst versieht, hat er schon gekauft. Das Gesamtareal für die Ställe inklusive des Mistlagerplatzes, diverser Nebengebäude und den Außenanlagen ist immerhin etwa 6,5 Hektar groß. Der Platz ist mit Bedacht gewählt. In der Biogasanlage soll der Hähnchenmist aus den Tiefstreuställen zu Strom verarbeitet werden. Die Abwärme würde dann auch nicht mehr sinnlos verpuffen, sondern die Ställe heizen und warmes Wasser erzeugen. Der Bedarf soll zumindest im Winter so groß sein, dass es sogar einer Zusatzheizung bedarf. Die soll vermutlich mit Holzpellets beschickt werden und damit ähnlich ökologisch sein, wie die Solaranlagen, die auf Dächern der Stallgebäude vorgesehen sind.

Die Anlage, betonte der Hindenburger, ist vom Küken bis zum fertigen Hähnchen als geschlossener Kreislauf mit mehreren Schleusen und einem streng getrennten Schwarz-Weiß-Bereich (Futter-Mist) konzipiert. Auch sonst soll viel Wert auf Hygiene gelegt werden, um die Anforderungen künftiger Abnehmer, die aber scheinbar noch nicht feststehen, zu erfüllen. Weil Schlichting von seinem Vorhaben sehr überzeugt ist, soll einer der Ställe im Sinne einer gläsernen Produktion sogar für Besucher einsehbar sein.

Wenn das Geschäft Gewinn abwerfen soll (der liegt laut Schlichting nur im Centbereich je Hähnchen), muss es ein Tier in 35 bis 40 Tagen auf reichlich ein Kilogramm Gewicht bringen. Circa 7,5 Umläufe sind pro Jahr und Stall geplant. Die stehen wiederum für insgesamt drei Millionen Broiler, die die Anlage jährlich in Richtung Schlachter verlassen.

Kritische Fragen stellte Bürgermeister Olaf Schmidt, der durch seinen Job beim Wasserverband Stendal-Osterburg schon ähnliche Projekte auf dem Tisch hatte. Nachdem die Schwarzholzer beispielsweise strenge Auflagen bei der Abwasserbeseitigung über ihre eigenen Kläranlagen mit biologischer Endstufe erfüllen müssen, hat er unter anderem Bedenken, dass das mit Desinfektionsmitteln und Medikamenten belastete Abwasser einfach auf den umliegenden Flächen "verklappt" werden könnte. Zudem machte er Bedenken wegen drohender Geruchsbelästigungen nicht nur beim Ausmisten, sondern auch beim täglichen Betrieb geltend. Immerhin soll die Anlage nur in etwa 600 Meter Luftlinie vom letzten Wohnhaus entstehen. Und noch eine Vorstellung bereitet ihm eine Gänsehaut. Das Kühlhaus für Kadaver soll so gebaut werden, dass im Laufe eines Jahres bis zu 100 Tonnen tote Tiere zwischengelagert werden können.

Zu letzterem merkte Schlichting an, dass er ja eigentlich antrete, um schon aus unternehmerischer Sicht möglichst wenige Verluste zu machen und nicht die Baufehler älterer Anlagen zu wiederholen. Außerdem relativieren sich die 100 Tonnen bei genauerem Nachrechnen etwas. Gemessen an den größeren Tieren wären das weniger als drei Prozent Verluste. Gemessen an kleineren Exemplaren etwas mehr.

Die permanente Geruchsbelästigung will der Investor mit einer modernen Belüftungsanlage verhindern. Außerdem soll der frische Mist überdacht gelagert werden. Für das Abwasser hatte er noch keine Antwort parat, aber an der Lösung werde auch gearbeitet. Das Gemeindeoberhaupt beteuerte in dem Zusammenhang, dass er keine Investition verhindern wolle, sondern nur Fragen stelle, die ohnehin zur Sprache kämen. Spätestens wenn die Kommune als Träger öffentlicher Belange ebenso wie viele andere Institutionen eine Stellungnahme im Rahmen des Genehmigungsverfahrens abgeben müsse. Bei der Gelegenheit waren sich Schmidt und Schlichting einig, dass es noch eine Informationsveranstaltung für Einwohner geben muss, wenn die Pläne etwas konkreter sind. Das Gemeindeoberhaupt zeigte sich aber auch etwas enttäuscht darüber, dass am Donnerstagabend kein Einwohner den Weg in die Ratssitzung gefunden hatte.