Knapp 29 000 Euro Unterstützung bekommt der Verein für Straffälligenbetreuung und Bewährungshilfe Stendal jetzt vom Land. Sachsen-Anhalts Justizministerin Prof. Dr. Angela Kolb (SPD) übergab gestern die Bescheide und informierte sich vor Ort über die Arbeit des Vereins.

Stendal. Nach der Haft wieder Fuß zu fassen, ist für Delinquenten die größte Herausforderung. Viele scheitern an ihr, aber viele nutzen ihre zweite Chance. Auf dem Weg in ihr neues Leben hilft Entlassenen oder Bewährungsverurteilten der Verein für Straffälligenbetreuung und Bewährungshilfe Stendal seit bald 20 Jahren.

"Viele Menschen, die straffällig geworden sind, brauchen nach ihrer Haftzeit Unterstützung bei der Rückkehr in einen normalen Alltag", sagte Justizministerin Angela Kolb gestern anlässlich ihres Besuchs beim Stendaler Verein für Straffälligenbetreuung. Die Chance auf ein straffreies Leben ist dabei Ziel von Vereinen wie dem in Stendal, die staatliche Einrichtungen unterstützen. Das Engagement ihrer Mitglieder könne nicht hoch genug bewertet werden."

Für den Stendaler Verein, für den vier feste Mitarbeiter und mehr als ein Dutzend Ehrenamtliche tätig sind, hatte Kolb gestern einen Zuwendungsbescheid in Höhe von insgesamt 28 790 Euro mitgebracht. Dieses Geld soll für Sach- und Personalkosten ausgegeben, und ein neuer Mitarbeiter konnte davon seit Anfang Mai eingestellt werden.

1991 wurde der Verein mit Sitz in Stendal mit der vordergründigen Aufgabe betreuten Wohnens gegründet und bietet seither ambulante Beratung und Betreuung für straffällige Menschen und deren Angehörige, Kollegen oder Freunde an. "Das größte Problem für Haftentlassene ist, eine Wohnung und einen Job zu finden", sagte Barbara Rudolph vom Verein. "Die Regel ist: Wer rauskommt, hat keine Arbeit." Und meist noch Mietschulden.

Wer also wieder Fuß fassen will, braucht beim Übergang von der Haft in die Freiheit professionelle Hilfe, und dabei eben vor allem Ansprechpartner in der Heimat. Dazu bietet der Stendaler Verein neben der Beratung und Begleitung in Fragen des Lebensalltags auch eine Überbrückungswohnung für Haftentlassene. "Der Bedarf ist da, die Obdachlosigkeit nimmt zu", sagte Barbara Rudolph, die auch die Zahl der vom Verein Betreuten im Kopf hat: Etwa 80 Straffällige oder deren Angehörige suchten im vergangenen Jahr die Beratungsstelle auf. Denn auch für Angehörige ist der Umgang mit solch einer Lebenssituation nicht einfach, sie müssen vorbereitet werden auf die Entlassung.

Aber nicht erst die Zeit nach der Haft wird vom Verein aufgegriffen. Haftvermeidung ist ein wichtiges Stichwort in der Arbeit. Dafür gibt es zum Beispiel Sport- und Freizeitangebote im Rahmen des Ländlichen Streetworks und Anti-Agressions-Trainingskurse.

Der Stendaler Verein ist neben elf weiteren in Sachsen-Anhalt in das "Zentrum für Entlassungshilfe, Beratung, Resozialisierung und Anlaufstelle zur Vermittlung gemeinnütziger Arbeit – ZEBRA" eingebunden, ein landesweites Programm, das Vereine bei ihrer Arbeit in der Straffälligenhilfe unterstützt. Kontakte pflegen die Stendaler zu den Justizvollzugsanstalten Magdeburg, Burg und Dessau.