In mehreren Folgen hat sich die Volksstimme in den zurückliegenden Monaten mit der Zukunft der Altmark beschäftigt. Anlass war die Altmark-Konferenz in Gardelegen. Für ihre Masterarbeit hat sich Stefanie Michaelis – seit März 2009 Diplomingenieurin – die Altmark als Thema erkoren. Der Titel der Arbeit lautet: "Zukunft Altmark – Einen regionalen Diskurs anstoßen". In drei Szenarien untersucht die junge Altmärkerin auf wissenschaftlicher Basis, wie es um die Zukunft der Region bestellt sein könnte.

Die Daseinsvorsorge in der Altmark hat sich grundlegend gewandelt. Die Probleme des demografischen Wandels wurden als Herausforderung anerkannt. Viele Flexibilisierungen sind in diesen Bereichen erfolgt. Rahmenbedingungen wurden angepasst. Die Daseinsvorsorge ist heute durch Zwergschulen, Ärztehäuser und AGNES, der "mobilen Gemeindeschwester" geprägt.

"Klein aber fein" ist groß im Trend

Die Schullandschaft erstrahlt in neuem Glanz. Viele Modelle wurden geprüft – Zwergschulen, Filialschulen, kleine Klassen, jahrgangsübergreifender Unterricht. Jeder Landkreis setzt auf die für ihn beste Kombination. An kleinen Klassen und jahrgangsübergreifendem Unterricht führte aber kein Weg vorbei. Der starke Einbruch der Schülerzahlen ließ keinen anderen Weg zu. Die Vorteile sprechen für sich – Kinder mit unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten erhalten verbesserte Chancen im Schulalltag. Das soziale Miteinander wird gefördert – Schüler besitzen wieder Respekt gegenüber Lehrkräften, aber auch Mitschülern.

Der Grundsatz der kleinen Betreuungsgruppen hat sich auch in den Kindertagesstätten durchgesetzt. Aufgrund des starken Wegbrechens der Kinder im Betreuungsalter hat sich der Personalschlüssel in den Einrichtungen fast automatisch verbessert. Ein Erzieher ist heute für eine Handvoll Kinder zuständig. Die verbesserte und intensivierte Betreuungsqualität spricht für sich.

Positive Synergieeffekte bekommen auch die Musik- und Volkshochschulen zu spüren. Die Schulgebäude werden nach Unterrichtsschluss sowohl von den Musikschulen, als auch für die Tätigkeiten der Volkshochschule genutzt. Das Bildungsangebot bleibt dezentralisiert. Das Angebot ist somit näher am Kunden und bietet auch älteren Mitbürgern die Möglichkeit, ein Instrument zu erlernen.

Schwester AGNES und DSL machen’s möglich

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt hat sich der Herausforderung "Demografischer Wandel" ebenfalls erfolgreich gestellt. Die zunehmende Überalterung und das damit zusammenhängende Auftreten von Mehrfacherkrankungen drängten die Verantwortlichen zum Handeln. Für die Altmark wurde eine Option gesucht und gefunden, mit weniger Ärzten die medizinische Grundversorgung abzusichern, aber gleichzeitig diese nicht zu überlasten. In den zentralen Orten befinden sich Ärztehäuser, die nach dem Vorbild der Poliklinik aus DDR-Zeiten aufgebaut sind. Die Ärzte erhalten hier eine Festanstellung. Besonders für junge Absolventen ist dies ein Sprungbrett ins Berufsleben. Sie verpflichten sich für drei Jahre in der Altmark zu arbeiten und bleiben gerne länger.

Dank DSL ist das Instrument der Telemedizin in der Fläche nutzbar geworden. Eine Kombination aus AGNES, der "mobilen Gemeindeschwester" und der Telemedizin sichern die medizinische Versorgung der Altmärker in der Fläche ab. AGNES fährt zu den Patienten und übernimmt die medizinische Erstbehandlung. Mit Hilfe der Telemedizin ist sie sofort über den Gesundheitszustand des Patienten informiert und kann im Notfall einen Arzt kontaktieren. Alle Beteiligten profitieren davon. Die Ärzte können sich wieder auf die wesentlichen Dinge des Alltags konzentrieren – den Patienten helfen.

Die Überalterung der Bevölkerung ließ den Ausbau des Pflegesektors auf den ersten Blick richtig erscheinen. Erst bei genauerer Betrachtung wurde deutlich, dass die finanzschwache Bevölkerung der Altmark die Vielzahl der Pflegeplätze nicht auslasten kann. Durch den verstärken Einsatz der ehrenamtlichen Zivilgesellschaft herrscht heute ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Patienten in Pflegeheimen und Patienten, denen eine Betreuung zu Hause ermöglicht wurde.

Nicht in Sicht ist eine Kostenreduzierung

Die Wasserver- und Abwasserentsorgung wurde in private Hände übergeben. Viele Kritiker waren von Anfang an dagegen. Schon nach einer kurzen Probephase war klar, der beste Weg für die Altmark war dies nicht. Notwendige zukunftsfähige Investitionen unterblieben – Statt dessen wird der Betrieb der übernommenen Netze, die inzwischen in vielen Bereichen unterausgelastet sind, krampfhaft mit einem enormen zusätzlichen Aufwand aufrecht erhalten. Die Quittung dafür zahlen wieder die Altmärker. Der Grundsatz der Gewinnmaximierung steht für private Investoren nun mal an erster Stelle.

Aufschwung dank der Bioenergieregion

Die Wirtschaft konnte sich stabilisieren. Der Ausbau der A 14 hat den Grundstein dafür gelegt. Das Gewerbegebiet Stendal-Borstel ist nach anfänglichen Startschwierigkeiten nun ausgelastet. Als Sieger der letzten Jahre geht die Bioenergieregion Altmark hervor. Sie hat die Modellphase hinter sich gelassen und als fester Bestandteil in der altmärkischen Wirtschaft etabliert. Die Altmark ist heute im Bereich der Energieversorgung autark und belebt zusätzlich die heimische Landwirtschaft. Südfrüchte können dank ausreichender Wärmebereitstellung direkt in der Altmark angebaut und geerntet werden.

Die historischen Stadtkerne der altmärkischen Hansestädte profitieren von der sonst positiv verlaufenen Entwicklung eher weniger. Ehrenamtliche Vereine sind weiterhin stets bemüht die leer stehenden und verfallenden Gebäude zu retten. Diese ganz aus dem Stadtbild zu verdrängen, ist nicht geglückt.