Für alle, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, will der Bildungsverbund Handwerk der Altmark e.V. mit dem Projekt "Im Tandem zum Ausbildungsplatz – der Ausbildungspate" Jugendliche vermitteln. Ein spezifischer Neigungstest und passgenaue Bewerbungsunterlagen sollen dabei helfen.

Stendal. Freie Lehrstellen einerseits und junge Leute, die noch keinen Ausbildungsplatz finden konnten, andererseits. Die Schere dazwischen ist, laut statistischen Erhebungen, größer geworden.

"Die schulische Ausbildung ist nicht unbedingt schlechter als in den Jahren zuvor, aber viele nutzen diese nicht, verlassen die Schule ohne Abschluss oder mit schlechten Endnoten. So bekommt man keinen Ausbildungsplatz", sagt Marion Gröger vom Bildungsverbund Handwerk der Altmark e.V.

"Es ist wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein"

Dieser hat im Rahmen des "Stärken vor Ort"-Bundeswettbewerbs Fördergelder für ein Ausbildungsprojekt erhalten. "Im Tandem zum Ausbildungsplatz – der Ausbildungspate" heißt es.

Die beiden Verantwortlichen dafür, Sieglinde Feind und Marion Gröger, betreuen es. "Wir haben zehn Plätze für ausbildungssuchende junge Leute zwischen 16 und 25 Jahren", erklärt Feind. "Einmal die Woche wird im Einzelunterricht und Gesprächen nach einer passenden Lehre gesucht. Dann werden gemeinsam Berufsprofile erarbeitet."

Neben Interessen- und Neigungstests und der Suche nach dem passenden Beruf oder dem Ausbildungsbetrieb erstellen die Paten auch passgenaue Bewerbungsunterlagen, üben das Vorstellungsgespräch und unterstützen ihre Schützlinge bis zum Beginn der Ausbildung. "Wir schlagen eine Brücke zwischen den verschiedenen Aufgaben und zwischen den zukünftigen Lehrlingen und den Ausbildern. Deswegen heißt das Projekt auch ¿Im Tandem zum Ausbildungsplatz‘", erklärt Marion Gröger.

Die beiden Ausbildungspaten Feind und Gröger konnten im vergangenen Monat schon fünf Plätze für das Projekt vergeben. Noch sind fünf Plätze frei: "Wir würden uns freuen, wenn junge Leute Mut und Eifer haben, sich hier für den Ausbildungspaten anzumelden. Ein laufender Einstieg für das Projekt ist möglich. Es gibt keine Fristen für eine Anmeldung bei uns", sagt Marion Gröger.

Das hat auch Tobias Schiele aus Stendal getan. 2007 verließ der heute 19-Jährige die Schule. Ohne Abschluss und ohne Perspektive. "Damals war mir egal, was in der Schule los war. Heute weiß ich, wie wichtig Abschluss und Ausbildung sind und bereue meine Gleichgültigkeit von damals", sagt er. "Ich bin froh, jetzt hier mitmachen zu können – ich habe jetzt ein Ziel vor Augen."

Das Ziel, was er hat, zeigt er auf dem Computer. Den darf er so oft, wie er will, im Bildungsverbund Handwerk nutzen. Er erarbeitet gerade das Berufsprofil eines Kochs. In Gesprächen mit den Ausbildungspaten, bei denen die Fähigkeiten von Tobias beleuchtet wurden, habe man sich auf die verschiedenen Berufe im Hotel- und Gastronomiegewerbe verständigt. "Erst wollte Tobias in den Kfz-Bereich. Aber da muss man auch ehrlich zu sich selbst sein. Mit seinem Abschluss ist das nicht machbar", erklärt Gröger.

Ziel ist jetzt, eine schulische Ausbildung im Gastronomiebereich für Tobias zu bekommen. Da kann er ganz nebenbei sogar den Hauptschulabschluss nachholen. Nach dieser zweijährigen Ausbildung möchte Tobias dann die Kochlehre anschließen.

Auf das Projekt sei er durch die Streetworker gestoßen. "Die meinten, ich soll da mal hingehen. Das habe ich dann auch getan."

"Es gibt verschiedene Partner, mit denen wir zusammen arbeiten. Darunter eben auch die Streetworker, das Stadtteilbüro, die Sozialpädagogen der Schule, BIZ, oder die Berufsberatung", sagt Feind. "An die Ausbildungsbetriebe wenden wir uns. Zu vielen haben wir schon Kontakt. Zu anderen bauen wir erst noch Kontakte auf. Dazu veranstalten wir auch eine Bewerberbörse." Die soll am 10. Juni stattfinden. Zwar ist die Idee dabei die Integration und Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen, "aber auch unsere jungen Schützlinge vom Tandemprojekt können bei dieser Bewerberbörse vermittelt werden", so Feind.

www.bvh-altmark.de Telefon: (0 39 31) 25 81 46