Der Allgemeine Deutsche Automobilclub, kurz ADAC, untersuchte landesweit den Schülerverkehr auf den Buslinien. Im Landkreis Stendal wurde die Strecke (Linie 556) zwischen der Hansestadt und Bismark unter die Lupe genommen.

Stendal. Der ADAC wird für gewöhnlich Himmelsboten gleichstellt, den gelben Engeln. Die Einschätzung, die der mitgliederstärkste Verband Europas für seine jüngsten Tests liefert, klingt ungewöhnlich scharf und wenig himmlisch, eher nach einer Depesche von Hiob. Die Buslinie Nummer 556 im Landkreis – vom Stendaler Bahnhof über Schinne, Kläden nach Bismark und zurück – schaffte es dabei gerade noch, als nicht vollends missraten zu gelten.

Ein "ausreichend" bescheinigten ihr die Autoclub-Tester. Jenes Urteil gilt – das wissen Schüler nur zu gut – als mal so eben bestanden und somit als stark verbesserungswürdig. Und Schüler transportiert die Linie, welche die Altmark Bus GmbH als Lizenzinhaber noch bis 1.November unterhält und die auch durch die Lindstedter Busfirma Schlüsselburg täglich mehrmals befahren wird.

Unter die Schüler, die über den Tag verteilt von frühmorgens bis zum späten Nachmittag diese Busstrecke in beide Richtungen bis zu 17-mal benutzen können, mischten sich nun die ADAC-Leute; stillschweigend, denn sie wollten testen, wie die Busse gefahren werden, wie die Schüler sich verhalten, wie die Busfahrer mit den Fahrgästen umgehen, wie die Umstände aussehen, mit denen man zu rechnen hat, will man diese Linie nutzen.

Zweimal Tempo zu hoch

Als positiv stellte der ADAC, jener Gralshüter über die Verkehrssicherheit hierzulande, heraus, dass die Test-Haltestelle "genügend Platz" bietet und sich in der Nähe der Schule befindet, dass Aufsichtspersonen an den Stopps und im Bus vertreten sind, die Busse pünktlich waren, es kein Gedränge beim Ein- oder Aussteigen gab, der Lärmpegel während der Fahrt im verträglichen Maß war und – das darf durchaus als herausragend gelten – die Busfahrer stets freundlich und mit guten Kenntnissen ausgestattet waren.

Negativ fiel den Testern auf, dass man es mit den Höchstgeschwindigkeiten nicht so genau nahm. Mal war sie "leicht" im Testzeitraum überschritten worden; mal "deutlich". Zudem sei der Fahrer des Testbusses durch ein Gespräch abgelenkt gewesen. Hätte der Fahrer an jenem Test-Tag zwischen Ende Januar und Anfang März die Geschwindigkeit nicht überschritten, dann gehörte er zu den besten aller beurteilten Lenker auf den deutschlandweit 36 untersuchten Linien. Denn die Strecke zwischen Gleina und Reuden im sachsen-anhaltinischen Burgenlandkreis kam auf einen Gesamtplatz fünf mit dem ADAC-Urteil "Gut", hatte dabei eine ähnlich lange Negativliste. "Allerdings wiegt die Geschwindigkeitsüberschreitung schwer, denn hier geht es auch darum, dass die Gefährdung der Fahrgäste enorm steigt, wenn man schneller fährt, als es erlaubt ist", sagte eine ADAC-Sprecherin gestern der Volksstimme.

Mit Abstand wurde das Fahrtempo zur wichtigsten Test-Kategorie erhoben. Ebenfalls sei ein abgelenkter Fahrer ein gewichtigerer Negativpunkt als andere. Dennoch darf der Test als Momentaufnahme, als allgemeingültig hingegen kaum gelten. Der Tester auf der besagten Linie sei mehrfach unterwegs gewesen. Wie sich herausstellte, auf der Hin- und dann auf der Rückfahrt. Offenbar reichte das dem ADAC für sein Urteil.

Der Geschäftsführer des Busunternehmens Schlüsselburg, Christoph Schlüsselburg, sagte gestern der Volksstimme: "Wir haben den Test mit den infrage kommenden Mitarbeitern ausgewertet. Wir fühlen uns aber vom ADAC ungerecht behandelt, weil wir vor Bekanntgabe der Ergebnisse nicht selbst informiert worden sind. Dann hätten wir sofort die Fahrtenschreiber bei uns auswerten und gezielt Dinge ändern können." Vieles sei den Busfahrern nicht anzulasten, wie Haltestellenzustände oder Dinge, die um den Bus herum passierten.

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