Frank Mohrmann versteht die Stendaler Stadtverwaltung nicht. Sie will ihm die Sanierung eines Einfamilienhauses am Galgenberg, das nachweislich bis 1990 bewohnt war, nicht erlauben. Begründung : Außenbereich. Doch auf der anderen Straßenseite breitet sich die große neue Eigenheimsiedlung aus.

Stendal. " Außenbereich ? Zersiedelung ?" Frank Mohrmann lacht bitter. " Wenn hier Landschaft zersiedelt wird, dann dort drüben. " Er weist nach Osten auf die andere Straßenseite des Galgenbergs und in Richtung Norden, wo die neuen Eigenheime der Siedlung bis dicht an sein Grundstück heran gewachsen sind.

Vor zehn Jahren hat er das Grundstück mit dem verwaisten Haus an der Straße, gleich hinter der Sportanlage, gekauft. Seitdem hat er mehrere Tausend Euro für Strom-, Gas-, Wasser- und Abwasseranschlüsse ausgegeben. Nun will er das frühere Wohnhaus wieder zu Wohnzwecken ausbauen. Einen Mieter, sagt Mohrmann, habe er schon. Doch die Stadt lässt ihn nicht.

Das Grundstück sei " nicht mehr zum Innenbereich gehörend einzustufen ", teilte ihm das Bauaufsichtsamt der Stadt auf seine Voranfrage zur Modernisierung des Hauses mit und beschied : " Eine Baugenehmigung kann nicht in Aussicht gestellt werden. "

Das Amt führt eine Vielzahl von Gründen für die beabsichtigte Verweigerung einer Baugenehmigung an. Vor allem : Das Grundstück liege im Außenbereich, im Flächennutzungsplan sei das Flurstück als Grünfläche mit Zweckbestimmung Sportplatz dargestellt. Die benachbarten Leichtathletik- und Tennisanlagen mit ihrem Lärm würden einer Wohnnutzung widersprechen. Deshalb, so das Amt, sei vor die Wohnhäuser auf der anderen Straßenseite des Galgenbergs eine Schallschutzwand gesetzt worden.

Frank Mohrmann kann nicht alle diese Begründungen vom Tisch wischen, doch er fühlt sich ungerecht behandelt. Als er das Anwesen im Jahr 2000 kaufte und bei der Stadt nach einem Ausbau des Wohnhausteils anfragte, habe er die Antwort bekommen : wenn die Straße Galgenberg fertig ist. Die ist inzwischen ausgebaut, und seine erneute Anfrage wird abgelehnt. " Dann sollen sie mir doch im Austausch etwas anderes anbieten ", sagt er und wirkt resigniert.

Gibt Kampf nicht auf

Doch ganz hat er den Kampf noch nicht aufgegeben. Sein Anwalt hat Widerspruch gegen den Bescheid des Bauaufsichtsamts eingelegt, und Mohrmann will Anzeige gegen die Stadt erstatten, denn er fühlt sich verleumdet. " Sie behaupten, ich hätte falsche Unterlagen eingereicht ", erzählt er, " so dass ich als Betrüger dastehe. "

Schon die Formulierung im Bescheid des Bauaufsichtsamts, in diesem Fall " soll ein Gebäude in ein Wohnhaus umgenutzt werden ", ist in seinen Augen völlig daneben. Er habe Unterlagen eingereicht, die belegen, dass das Haus Galgenberg 2 bis 1990 als Wohnhaus genutzt worden sei. Stattdessen hält ihm das Amt die ehemalige gewerbliche Nutzung mit Büroräumen und Lagerflächen vor, die sich laut Frank Mohrmann aber auf Nebengebäude im hinteren Bereich beziehen, die teilweise abgerissen sind.

Zum Betrüger abgestempelt fühlt er sich durch die Behauptung des Amts, den von ihm eingereichten Bauzeichnungen aus dem Jahr 1934 sei nicht zu entnehmen, dass es sich um eben jenes Gebäude am Galgenberg handele. Die Zeichnungen stellen den geplanten Wohnungsanbau für den Fuhrwerksbesitzer Willy Winckler auf seinem Grundstück Bergstraße in Stendal dar, bei dem es nach Meinung Mohrmanns zweifellos um sein heutiges Gebäude geht. Er hat sich auch einen historischen Stadtplan aus dieser Zeit besorgt, aus dem hervorgeht, dass der Galgenberg damals noch Bergstraße hieß.

Die Stadtverwaltung hält sich beim gegenwärtigen Stand der Dinge noch bedeckt. Der Rechtsanwalt von Herrn Mohrmann habe noch nicht begründeten Widerspruch eingelegt und die gesamten Unterlagen eingesehen. In einem laufenden Verfahren könne man keinerlei Auskünfte geben, heißt es aus dem Rathaus.