Eine Äußerung von SPDFraktionschef Reiner Instenberg hatte bei Stadtwehrleiter Michael Geffers zu einer leichten Verstimmung geführt. Am Dienstagabend tagte die Fraktion bei der Feuerwehr in der Von-Schill-Straße, und man sprach sich aus. Dabei kamen die Probleme der Wehr auf den Tisch.

Stendal. Immer weniger Geld in der Stadtkasse, aber immer mehr Ausgaben. Die Stadtverwaltung habe dem Stadtrat kurz hintereinander mehrere Ausgabenerhöhungen vorgelegt, darunter auch höhere Aufwandsentschädigungen für Feuerwehrleute, andererseits Gebührensteigerungen für die Musik- und Kunstschule. Das alles habe ihn geärgert, deshalb habe er die Feuerwehr als ein Beispiel neben anderen in einer Hauptausschusssitzung beim Namen genannt, erklärte Reiner Instenberg Stadtwehrleiter Michael Geffers die Situation. Dieser hatte die Äußerung in der Zeitung gelesen und war irritiert.

Am Montag zogen nun die Sozialdemokraten mit ihrer Fraktionssitzung zu klärenden Gesprächen in die Feuerwache. Am Ende waren sie sichtlich beeindruckt vom ehrenamtlichen Engagement der Frauen und Männer in den blauen Uniformen. Instenberg lobte Geffers abschließend : " Straffe Führung, klare Vorgaben. Bei Ihnen ist die Feuerwehr in guten Händen. "

Der Stadtwehrleiter beschrieb den häufig schweren Dienst seiner Kameraden bei Einsätzen, die nicht planbar seien, oft zu ungünstigen Zeiten stattfänden und nicht selten an den Rand der physischen uns psychischen Belastbarkeit führten. Dazu kämen häufige Ausbildungsveranstaltungen. " Konflikte mit der Familie und dem Arbeitgeber sind da vorprogrammiert ", sagte er. Die gesellschaftliche Anerkennung für dieses Ehrenamt sei nach Geffers ‘ Meinung eher mangelhaft, obwohl sich das in der Stadt Stendal in den zurückliegenden Jahren gebessert habe.

Finanzielle Hilfe für Feuerwehrleute

So hat der Stadtrat im vergangenen Jahr mehrere Beschlüsse zur Unterstützung von Feuerwehrleuten gefasst. Dazu gehören ein finanzieller Zuschuss zur Führerscheinausbildung, die Erhöhung der Aufwandsentschädigung und ein Grundstock für eine freiwillige Feuerwehrrente. Trotzdem wünscht sich Geffers mehr Stolz in der Bevölkerung auf die freiwillige Feuerwehr : " Viele Stendaler denken, wir hätten eine Berufsfeuerwehr. "

Mit den bereits vollzogenen und den noch anstehenden Eingemeindungen vergrößert sich der Verantwortungsbereich des Stadtwehrleiters auf 26 Ortswehren mit etwa 950 Mitgliedern, darunter knapp 500 Aktive, und 54 Fahrzeugen. Seine große Sorge : " 22 der 26 Wehren sind am Tage nicht einsatzbereit. " Es fehle nicht nur an verfügbaren Kameraden, sondern auch an solchen mit der vorgeschriebenen Ausbildung, um Fahrzeuge zu besetzen und Atemschutzgeräte zu benutzen.

Geffers will sich da auf keinerlei Kompromisse einlassen. Er werde dafür sorgen, dass eingehalten wird, was der Gesetzgeber vorschreibt, sagte er. Dazu gehöre auch die Vorgabe, dass die Feuerwehr nach zwölf Minuten am Einsatzort sein müsse, da ein Mensch nach 17 Minuten nicht mehr reanimierbar sei. " Das Ganze ist zu schaffen, aber wir müssen uns anstrengen ", erklärte der Stadtwehrleiter. Leider gebe es einige Ortswehren, in denen im vergangenen Jahr so gut wie keine Ausbildung stattgefunden habe. Das müsse sich ändern, forderte er. Die Initiativen dazu müssten vor Ort entwickelt werden.