Krevese. In Zeiten niedriger Milchpreise müssen die Landwirte oder die Restgeldempfänger, wie sich die Milcherzeuger oft selbst bezeichnen, an vielen Kostenschrauben drehen. Gute Kühe nach einer teuren Aufzucht lange in der Produktion zu halten und ihre Gene weitergeben zu lassen, ist eine Möglichkeit. Bei einem durchschnittlichen Lebensalter von fünf Jahren mit nur zwei Laktationen sind die Reserven in Sachsen-Anhalt in dieser Beziehung offenbar nach wie vor sehr groß. Ein Grund mehr für den Rinderzucht- und Kontrollverband ( RSA und LKV ), 100 000-Liter-Kühe noch immer entsprechend zu feiern.

In der Agrargenossenschaft Krevese-Drüsedau gab es am Montag wieder etwas zum Jubeln. Der Besuch der Bundestagsabgeordneten Katrin Kunert ( Die Linke ) wurde dazu genutzt, die dritte 100 000-Liter-Kuh des Betriebes zu ehren. Das Spitzentier der Rasse Holstein-Frisian heißt Tessa, ist zehn Jahre alt und hat die magische Grenze in ihrer 8. Laktation geknackt.

Das sind durchschnittlich 12 500 Liter pro Jahr, wobei das dritte Milchjahr mit 13 638 Litern das stärkste der Trailor-Tochter war, wusste Astrid Ziem vom RSA, die allerdings betonte, dass eine derartige Leistung nur mit Hilfe guter Betreuer abzurufen sei.

Das Tier fühle sich gut und könne so mit einer robusten Gesundheit punkten, bestätigte Bernd Priegnitz vom LKV.

Wenn es an der Kuh etwas zu bemängeln gibt, dann ihr Hang zur Geburt von Bullenkälbern, die ja bekanntlich keine Milch geben. Bislang brachte Tessa nur zwei Färsenkälber auf die Welt. Vielleicht klappt es ja beim neunten Kalb. Die Kuh ist nämlich wieder tragend und schaut ihrer 9. Milchsaison entgegen.

Dass in der AG Krevese-Drüsedau weitere Spitzentiere ausgezeichnet werden, ist bei einem Herdendurchschnitt der knapp 700 Milchkühe von 9900 Litern im vergangenen Jahr durchaus wahrscheinlich.