Stendal. Zu einer meditativen Feier mit " Musik und Wort zur Sterbestunde Jesu " hatten Propst Christoph Hackbeil und Domkantor Johannes Schymalla am Karfreitag eingeladen.

Französische Orgelmusik aus dem 20. Jahrhundert beschreibt den Leidensweg des Gottessohnes. Marcel Dupre ( 1886 – 1971 ) schuf in zwölf Stationen tief empfundene Musik. Johannes Schymalla wählte daraus Station III " Jesus stürzt unter der Last des Kreuzes ". Die mühsamen Schritte des Leidenden gibt die Orgel in abfallenden Achtelbewegungen wieder, in die hinein ein aufwühlendes Leidensmotiv bricht.

Station XI " beschreibt " die Kreuzlegung durch förmliche Hammerschläge, verknüpft wieder mit dem Leidensmotiv. Unmittelbar danach Station XII " Jesus stirbt am Kreuz ". Sieben letzte Worte des Gekreuzigten werden in sieben Soloeinsätzen symbolisiert. Danach beginnt die Erde zu beben, musikalisch durch mächtige Basstremoli verdeutlicht.

Die vorangestellte " Sehnsucht nach dem Tode " von Petr Eben ( 1929 - 2007 ) entsprach dem " Kreuzweg " Dupres, musikalisch inhaltlich vom Domkantor in Schmerz durchdrungener Klageweise intoniert.

Drei Kapitel aus dem Roman " Das Evangelium nach Pilatus " von Eric-Emanuel Schmitt schildern in Briefform Empfindungen des Stadthalters von Rom, Pilatus, im Ringen mit und um den Gottessohn. Probst Christoph Hackbeil las daraus.

Das Kapitel " Claudia " beschreibt die eindringlichen Worte der Ehefrau an den Stadthalter zur Zurückhaltung. " Joseph " berichtet von der Tatsache, dass auch sein Vertrauter auf Bitten Jesu dem Tod zustimmte. Ohne Reue, denn er ist kein Mensch, sondern Sohn Gottes – sein Wille geschehe. " Pilatus " schließlich enthält die Unterredung von Pilatus mit Jesus und das Ringen um Wahrheit.

Ein " Gebet in der Erschöpfung " von Marie Noel beschloss zusammen mit Musik von Johann Sebastian Bach die Nachmittagsstunde im Dom.