War der Traum vom Strandclub inmitten des meerlosen Stendal zu früh geträumt ? Das Vorhaben, auf dem Brachgelände der ehemaligen Brauerei am Nordwall ein Open-Air-Gelände mit Beachclub-Atmosphäre zu gestalten, wird nach Aussage von Oberbürgermeister Klaus Schmotz nicht genehmigt.

Stendal. Der gelbe, sommerverheißende Sand macht Laune auf Urlaub, Strandgefühl und Entspannen unterm Sonnenschirm. Wo bis vor einem Jahr noch die Hansa-Brauerei stand, soll bis Ende April eine Strandlandschaft entstehen – wenn es nach dem Willen von Initiator Fabian Schubert geht ( Volksstimme vom 9. April ).

Doch diese Pläne könnten nun durchkreuzt werden. Denn offenbar gibt es rechtliche Gründe, den Strandclub, der bis Oktober geplant war, zu unterbinden. Wie Oberbürgermeister Klaus Schmotz in der Sitzung des Hauptausschusses am Montagabend bekanntgab, sei " mit einer Genehmigung nicht zu rechnen ". Eine Vielzahl von Anwohnern habe schon rechtliche Schritte angekündigt.

Das Gelände am Nordwall sei allgemeines Wohngebiet, und dafür gebe es baurechtliche Grundlagen zur Nutzung. " Ich kann nicht gegen das Gesetz handeln ", sagte Schmotz gestern auf Volksstimme-Nachfrage. " Es geht um Geräuschemissionen, die den Anwohnern nicht zuzumuten sind. Und die Interessen der Bewohner überwiegen in solch einem Fall. Wir lehnen es nicht ab, weil wir es nicht wollen. " Im Gegenteil, die Idee finde er ausgesprochen gut. Ausschlaggebendes Argument für die Absage sei vielmehr die Nähe zu Krankenhaus und Hospiz gewesen, denen die zu erwartende Lärmbelästigung nicht zuzumuten sei.

Schmotz hatte im Hauptausschuss auch zu erkennen gegeben, dass es " klüger gewesen wäre, wenn man sich mit einer Bauvoranfrage auf rechtlich tragfähiges Eis begeben hätte ". Und das, bevor Absprachen mit Veranstaltungspartnern und die Ankündigung in der Presse erfolgt seien. " Dadurch entstand der Eindruck, als wäre alles schon genehmigt gewesen ", so Schmotz.

Am Freitag habe es bereits ein Gespräch mit dem Leiter der Bauaufsicht, dem stellvertretenden Bürgermeister Axel Kleefeldt und dem Betreiber gegeben. " Dabei wurden die Rechtsgrundlagen eindeutig dargelegt ", so Schmotz. Der Bescheid mit der Ablehnung soll nun " spätestens Donnerstag " an den Betreiber verschickt werden.

Der ist ob dieser Nachricht nicht erfreut. " Man hat mir zwar mündlich mitgeteilt, dass es nicht geht, aber ich kenne ja den Wortlaut der Ablehnung noch nicht ", sagte Fabian Schubert gestern der Volksstimme. " Und bevor ich die Gründe nicht kenne, kann ich dazu auch nichts Eindeutiges sagen. "

Was den Lärmschutzaspekt angeht, sieht Geschäftsmann Schubert durchaus Kompromissmöglichkeiten. " Es gibt ja genaue Auflagen vom Ordnungsamt, die wir auch erfüllen würden. Das kann man ja zur Überprüfung messen. " Auf eine Einigung beziehungsweise ein Einlenken von seiten der Stadt hoffe er auf jeden Fall. " Es müsste ja auch im Interesse der Stadt sein, dass hier eine unattraktive Fläche von einer Privatperson gestaltet wird. Außerdem bieten wir mit diesem Vorhaben auch dem Theater eine Plattform, das sich auf diese Weise nochmal ganz anders präsentieren kann. Der Kooperationsvertrag mit dem TdA steht. "

Auch das mit Gästen der polnischen Partnerstadt Pulawy geplante Beachvolleyballturnier – das laut Schubert für die Stadt mit keinen Kosten verbunden sein würde – würde mit der Nichtgenehmigung ins Wasser fallen. Vom für Stendal geplanten " einzigen Auftritt von DJ Ötzi in Norddeutschland " ganz zu schweigen.

Ein weiterer Aspekt kam wiederum im Hauptausschuss zur Sprache. CDU-Mitglied Jörg Böhme schlussfolgerte : " Dann wird es also auch kein Public Viewing zur Fußball-WM geben ?" Schmotz bejahte und verwies darauf, dass dies ohnehin besser am Stadtrand aufgehoben sei.

Für Fabian Schubert steht dennoch fest, dass die Eröffnung des Strandclubs am 1. Mai wie geplant stattfinden wird. Auch ein Rolandfest sei ja trotz erhöhter Lärmbelästigung möglich. " Was dann aber am 2. Mai ist, kann ich noch nicht sagen ", so Schubert. Das letzte Wort, betont er, sei in dieser Sache aber noch nicht gesprochen.