Die Stendaler Senioren haben zwar viele offene Wünsche, fühlen sich in ihrer Stadt aber weitestgehend wohl. Das ist das Ergebnis der Fragebogenaktion, die die Träger des Projekts " Alter schafft Neues / Aktiv im Alter " veranstalteten. Mit einem Forum im Rathaus wurde die erste Etappe des Projekts in der vergangenen Woche abgeschlossen.

Stendal. Die Hälfte der befragten älteren Stendaler, nämlich 51, leben sehr gern in ihrem Wohngebiet ; 48 wohnen immerhin gern in ihrer Umgebung, und nur drei kreuzten auf ihrem Fragebogen an, dass sie sich nicht wohl fühlen. Dieses Umfrageergebnis präsentierte Bernd Böttcher von der Bürgerinitiative Stendal ( BIS ) in der vergangenen Woche auf einem Forum im Stendaler Rathaus.

Die BIS gehört zusammen mit dem Stadtseniorenrat und dem Mehrgenerationenhaus Färberhof zu den Trägern des Projekts " Alter schafft Neues / Aktiv im Alter ". Seit dem Start des Projekts im Juli vergangenen Jahres ließen sie eine Wünschebox durch die Stendaler Stadtviertel wandern. Ob auf dem Wochenmarkt, beim Stadtseefest, bei den großen Wohnungsvermietern oder im Sozialkaufhaus in Stendal-Süd – überall hatten Senioren die Möglichkeit, Fragebögen auszufüllen und der Box anzuvertrauen. Sie waren aufgefordert, sich über ihr Wohnumfeld, über die Möglichkeiten der politischen Beteiligung in der Hansestadt, über Bildungs- und Kulturangebote sowie Freiwilligendienste zu äußern.

Wie Bernd Böttcher berichtete, lagen 108 ausgefüllte Fragebögen in der Wünschebox : 48 aus Stadtsee, 20 aus der Altstadt, 14 aus Nord, 8 aus Wahrburg, 6 aus Borstel, 4 aus Röxe, 3 aus Süd und 5 aus anderen Stadtgebieten.

Auch wenn sich die überwiegende Mehrheit der Senioren wohl oder sogar sehr wohl fühlt – die älteren Stendaler haben auch vieles, was ihnen in der Stadt nicht gefällt. Häufig genannt wurden der Zustand vieler Gehwege und Straßen, Busfahrpläne, die besser an die Bedürfnisse Älterer angepasst werden müssten, die häufig mangelhafte Sauberkeit in den Wohngebieten oder auch fehlende Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel in der Innenstadt. Manche beklagen den Lärm, der vom Borsteler Flugplatz ausgeht. Süd-Bewohner sind nicht damit einverstanden, dass ihr Viertel abgerissen wird. Und viele kritisieren die langen Wartezeiten bei Ärzten, vor allem bei Fachärzten.

Einige schrieben auf ihren Zettel, es gebe zu wenig Spielplätze in Stendal – ein Zeichen dafür, dass Senioren nicht nur die Bedürfnisse ihrer eigenen Generation im Auge haben. Dass viele meinen, die Betreuungsangebote für Ältere seien nicht ausreichend, wertete Böttcher relativierend : Einem großen Teil der Senioren sei die Breite des Angebots offenbar nicht bekannt. Also müsse besser darüber informiert werden.

Viele Anregungen, die die Befragten der Wünschebox anvertrauten, müssen nun in die Arbeit der Projektträger und der Stadt Stendal eingehen. Eine der am häufigsten genannten : Das Ehrenamt muss stärker als bisher gesellschaftlich anerkannt werden, zum Beispiel mit einem Ehrenamtspass, der seinem Inhaber bestimmte Vorteile, etwa ermäßigte Eintrittspreise in städtische Einrichtungen, einräumt. Eine zentrale Koordinierungsstelle für soziale Dienste wünschen sich viele. Auch der Ruf nach einer Seniorenakademie wurde laut. Dem dürften die Senioren-Uni-Pläne von Hochschule und Winckelmann-Gesellschaft entgegenkommen.